„An einem Regentag beginnen die Farben zu leuchten“ – Auf den Spuren von Friedensreich Hundertwasser

Wie soll man Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000) anders beschreiben als mit seinen Gebäuden? Sie wirken auf den ersten Blick bunt, schrill und alles andere als gewöhnlich. Sie bleiben auf jeden Fall in Erinnerung, denn keiner sonst baut wie er. Gerade Linien sind ihm so zuwider, dass er sogar Parkplätze mit runden Formen aufzeichnen lässt, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Auch der Boden ist oft eine echte Stolperfalle, wenn man die Wellen nicht gewöhnt ist. Hundertwasser setzt voll und ganz auf Individualität und Fantasie und zeigt dabei seine ganz klare Handschrift, so wie es nur sehr wenigen Architekten gelungen ist.

Ich habe mich diesmal auf die Suche gemacht nach seinen mehr oder weniger bekannten Gebäuden. Gefunden habe ich seine bekannten und seine weniger bekannten Projekte in Wien und in der Steiermark.

Hundertwasserhaus Kegelgasse 35, 1030 Wien Innenbesichtigung nicht möglich!

Das Hundertwasserhaus ist eines der wohl bekanntesten Gebäude von Wien und zählt sicher zum architektonischen Hauptwerk Hundertwassers. Es wurde 1985 fertiggestellt und zeigt seinen wichtigsten Prinzipien. Unter anderem wurden zur Dachbegrünung 250 Bäume und Sträucher gepflanzt, die inzwischen die Fassade begrünen und emporwachsen und bilden einen echten Park auf dem Dach. In den Korridoren gibt es keine ebene Fläche. Damit hat er sämtliche Normen der damals geltenden Architektur gesprengt. Im Haus befinden sich 52 Wohnungen, alle mit Fensterrecht. Dazu kommen 4 Geschäftslokale.

Eine Innenbesichtigung ist nicht möglich, darauf weisen zahlreiche Schilder am Eingang hin. Es ist noch immer ein ganz normales Wohnhaus.

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Thermische Abfallverwertungsanlage Spittelau – „Fernwärme Wien“ Spittelauer Lände 45, 1090 Wien, kostenlose Werksführungen nach Voranmeldung (Dauer 2h) 

Wenn man eine Aussicht über Wien hat, etwa vom Kahlenberg oder vom Donauturm aus, sieht man schon von weitem eine riesige goldene Kugel, die beinahe über dem 9. Bezirk, direkt am Donaukanal zu schweben scheint. Die gehört zur wohl schönsten Müllverbrennungsanlage der Welt. Nach einem Großbrand 1987 musste die Anlage völlig neu gestaltet werden. Friedensreich Hundertwasser ließ sich sehr lange bitten, denn eigentlich hat eine solche Anlage wenig mit seiner ökologischen Einstellung zu tun. Doch als man unter anderem die bis heute modernste Rauchgasreinigungsanlage einbaute, willigte er schließlich doch ein. Heute versorgt die Spittelau bis zu 60000 Haushalte mit Fernwärme und öffentliche Gebäude mit Fernkälte. Und die Anlage ist so im Einklang mit der Natur, dass in ihrem Schornstein jedes Jahr mehrere Turmfalkenküken schlüpfen.

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Kunst Haus – Hundertwassermuseum Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien, tägl. 10-18 Uhr, Eintritt 12€

Im Kunst Haus gibt es weltweit die einzige Dauerausstellung, die sich voll und ganz dem Werk Hundertwassers widmet. Dazu wurde das Gebäude der Möbelfabrik Thonet vollständig nach den Ideen Hundertwassers umgebaut. Die beiden unteren Etagen widmen sich vollständig der Kunst und der Architektur Hundertwassers, darunter Architekturmodelle und Gemälde.

Die beiden oberen Etagen werden für Wechselausstellungen genutzt. Derzeit stellt Edward Burtynsky seine eindrucksvollen Luftaufnahmen zum Thema Wasser aus (noch bis 27.8.2017).

Im Hof befindet sich in einer Art Wintergarten ein sehr nettes Kaffeehaus im Hundertwasserstil.

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Pfarrzentrum zur heiligen Barbara Bärnbach Piberstraße 15, 8572 Bärnbach  

Für mich ist die Hundertwasserkirche in Bärnbach ein absoluter Geheimtipp für Hundertwasserfans. In der steirischen Provinz, in einem kleinen Ort nahe Voitsberg bekam Hundertwasser die Gelegenheit, ein ganzes Pfarrzentrum umzugestalten. Das stammte aus der Nachkriegszeit. Es entstand ein buntes Ziegeldach, die Kugeln am Dach wurden vergoldet und, was für Hundertwasser als charakteristisch gilt, die Ecken wurden mit Hilfe von Kacheln abgerundet. Der Turm bekam unterschiedlich gestaltete Sonnenuhren auf jeder Seite, darunter unter anderem einen Anker.

Innen wurden zahlreiche Kunstwerke von heimischen Künstlern einbezogen und die Fenster im Stile Hundertwassers umgestaltet. Besonders eindrucksvoll ist das Taufbecken mit zugehörigem Fenster – das Farbenspiel am späten Nachmittag habe ich so noch nie gesehen.

Im Außenbereich gestaltete Hundertwasser auch das Pfarrhaus, sowie den Park um die Kirche mit unebenen Gehflächen und 7 Toren, die die Weltreligionen repräsentieren.

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