Mahnmal St. Nikolai – Und nur der Turm blieb…

Nach meinem letzten Besuch bin ich ja ein echter Hamburg-Fan geworden. In Sachen Sightseeing hat die Metropole zwischen Alster und Elbe einfach unendlich viel zu bieten. Eine meiner eindrucksvollsten Besichtigungen, die auch ganz weit oben auf meiner Wunschliste stand, war das Mahnmal St. Nikolai.

Ein Mahnmal gegen den Krieg

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Geschichte

Die ehemalige Hauptkirche Hamburgs wurde im neugotischen Stil 1874 fertiggestellt – nach dem Stadtbrand einige Jahre zuvor musste sie grundlegend neu errichtet werden. Mit seinen 147,3 Metern war der Hauptturm sogar für 3 Jahre das höchste Gebäude der Welt. Dass das Gotteshaus nur 69 Jahre in Betrieb sein würde, ahnte zu dem Zeitpunkt niemand.

Am 28. Juli brachen britische und amerikanische Bomber auf und brachten den Feuersturm auch nach Hamburg. Da der Turm der Nikolai-Kirche zu dem Zeitpunkt das höchste Bauwerk der Stadt war, wurde er als Zielmarkierung genutzt. Die Kirche St. Nikolai erlitt mehrere Volltreffer – nur der Turm und einige Mauern im Altarraum blieben stehen, der Rest fiel dem Feuer zum Opfer.

Nach dem Krieg beschloss der Senat, dass ein Wiederaufbau im Bereich der Altstadt nicht nötig sei, vor allem aufgrund schwindender Kirchenbesuche. St. Nikolai wurde in den Bereich des Stadtteils Harvestehude verlegt. Aus den Trümmern wurden verschiedene, gut erhaltene Figuren geborgen und St. Nikolai wurde zu einem Kriegsmahnmal. Das Kirchenschiff, das in seiner Bausubstanz eigentlich gut erhalten geblieben war, wurde aus Sicherheitsgründen abgerissen, man einigte sich aber darauf, den Turm stehen zu lassen. Er wurde 1960 unter Denkmalschutz gestellt.

Zuerst war man sich sicher, dass man die Ruine selbst als Mahnmal wirken lassen sollte. Doch der Turm verfiel zusehends. Erst ab 1987 beschloss man, das Gelände zu sanieren und ein aktives Mahnmal zu errichten. Der Turm wurde renoviert und ist seit 2005 mit einem Aufzug ausgestattet und in der Krypta Raum für Ausstellungen geschaffen. Dort wird heute alles Wissenswerte über die Aktion Gomorrah gezeigt.

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Mein Besuch

Bei meinem Besuch (Juni 2017) waren am Turm umfangreiche Sanierungsarbeiten im Gange. Der untere Teil war vollständig eingerüstet. Trotzdem konnte ich mit dem Lift auf die Aussichtsplattform in 76 Metern Höhe hinauffahren. Schon hier wird deutlich, welche Geschichte dieses Bauwerk auf dem Buckel hat. Auf Bildtafeln wird jeweils die Zerstörung des Stadtteils gezeigt, auf den man auf dieser Seite blicken kann. Mir wird es bei solchen Ansichten immer ganz anders – alles in Schutt und Asche.

Ansonsten hat man oben einen netten Rundumblick über die Elbe bis hinüber zur Alster. Eins ist gewiss – auf der Plattform ist weniger los als im Michel, ob die Aussicht besser oder schlechter ist, darüber lässt sich wohl streiten – die Plattform im Michel ist allerdings ein bisschen höher.

Besonders ist mir die Dokumentation im Keller im Gedächtnis geblieben. Etwas unscheinbar wird auf ein Museum hingewiesen, das sich in der ehemaligen Krypta der Kirche befindet. Die ausführliche Dokumentation erzählt auf 450 qm die Geschichte der Operation Gomorrha, zeigt aber auch erhaltene Reste der Kirche und erzählt von deren Geschichte.

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Für 4€ Eintritt (Erwachsener mit Hamburg Card) lohnt sich der Besuch allemal. Man kommt gemütlich mit dem Panorama-Lift auf die Aussichtsplattform mit der Dokumentation zu den Kriegsschäden und im Keller kommt der historisch interessierte auf seine Kosten. Das Mahnmal bietet dabei eine ganz besondere Atmosphäre, da es ja selbst die Kriegsschäden repräsentiert und immer wieder kommt einem der Satz in den Kopf „Nie wieder Krieg“.

Von mir gibt es klare 5 Sterne.

In diesem Sinne

Eure Anke

 

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  1. Vielen Dank nach Wien, liebe Anke, für den schönen Beitrag über unser Mahnmal. Wir hoffen nun auf viele Gäste aus Österreich!

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