Klimt-Villa Wien: Das letzte Atelier

Wien ist eine Stadt der Kunst. Und es gibt nur wenige Künstler auf der Malerischen Seite, die eigentlich jedem Kunstlaien sofort in den Kopf kommen, wenn sie an Wien und das Ende des 19. Jahrhunderts denken. Einer davon ist definitiv Gustav Klimt.

Ich hatte die Gelegenheit, sein letztes Atelier kurz vor der Saisoneröffnung zu besichtigen (die ist übrigens am Samstag).

Klimt Villa

Die Klimt Villa ist das, was man in Wien weit draußen nennt. Sie befindet sich im 13. Bezirk, ganz in der Nähe der U4-Station Unter St. Veit in der Feldmühlgasse 11. Von der Innenstadt benötigt man entsprechend etwa 30 – 45 Minuten, um die kleine Villa zu erreichen.

Klimt Villa ist übrigens der falsche Begriff. Denn die Villa wurde eigentlich erst nach seinem Tode errichtet – und zwar über dem eigentlichen Atelier, das nur ein kleines Gartenhaus war. Noch deutlich erkennt man das „Haus im Haus“.

In diesem „Baukern“ hatte Klimt nachweislich von 1911 bis zu seinem Tod 1918 sein letztes Atelier. Im Erdgeschoss erkennt man deutlich die Vorgeschichte. Man kommt als erstes in ein Empfangszimmer mit schicken Jugendstilmöbeln. Das Hauptatelier liegt auf der Nordseite mit großem Fenster unterhalb der heutigen Freitreppe auf den Garten hinaus. Hier findet man unter anderem das große Bett, auf dem Klimts Models für ihn (größtenteils nackt) posierten. Hier findet man auch den legendären blauen Malerkittel Klimts und Rekonstruktionen der letzten Bilder, an denen Klimt hier arbeitete.

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In einem weiteren Raum kann man die Postkarten Klimts lesen, von denen er wohl bis zu 5 pro Tag schrieb. Dazwischen ist das Empfangszimmer für die Damen, die Klimt im Auftrag malte – die reichen Damen sollten nicht den nackten Modellen begegnen. Hier werden heute zwei Kleider von Emilie Flöge ausgestellt, die als Klimtfreundin und innovative Designerin galt, die noch heute Valentino oder Chanel inspiriert.

Das Obergeschoss mit der großen Freitreppe bildet ein großer Salon, der hauptsächlich für Veranstaltungen genutzt wird, allerdings nicht zur normalen Ausstellung gehören.

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Die Villa wurde von der jüdischen Familie Klein im neoklassizistischen Stil fertiggestellt, aber 1939 enteignet. Nach dem Krieg verkaufte die Familie das Gebäude an den Staat Österreich, der es lange als Schule nutzte. Zwischenzeitlich sollte es aufgrund der stark gestiegenen Grundstückspreise abgerissen und das 6000 Quadratmeter große Grundstück als Bauland werden, was aber auf Widerstand der Bürger stieß.

Seit 2012 ist die Villa als Museum für die Öffentlichkeit als Museum zugänglich. Die Ausstellung ist ganz nett, auch der Park hinter dem Haus ist sehr gepflegt. Sogar zwei von Klimts Rosenstöcken sind noch erhalten. Ich persönlich fand die Baugeschichte sehr spannend, mit dem Atelier als Bausubstanz für die schicke Villa. Auch die Ausstellung ist nett und informativ.

Die Villa ist wohl eher was für echte Klimt-Fans, die bereit sind, 10€ für die Eintrittskarte zu zahlen, um die Welt aus Perspektive des großen Meisters wahrnehmen zu können. Die Möbel genau wie die Bilder etwa sind alle Rekonstruktionen, selbst der Malerkittel wurde „nur“ von Klimts Enkeltochter nachgenäht. Man spürt die Liebe zum Detail, aber ob es den hohen Eintrittspreis wert ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Myriade sagt:

    Na ja, ich finde man hat mehr davon, wenn man sich die Bilder ansieht …..

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    1. Ja – aber so drastisch wollte ich es nicht ausdrücken 🙂

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