Wandern im Wiener Grüngürtel – immer der Nase nach…

Rundwanderweg – 11 km – 3 bis 4 Stunden Gehzeit – Stempelstelle: Josefinenhütte

Dass Wien eine außerordentlich grüne Stadt ist, bekommt der Tourist normalerweise gar nicht mit – Schönbrunn und der Stephansdom stehen auf dem Programm. Manch einer kommt noch bis nach Grinzing um bei Schrammelmusik die weinseelige Atmosphäre eines Heurigen zu erleben. Doch von dort ist es eigentlich gar nicht mehr allzu weit ins Grüne Wien.

Seit 2002 hat Wien 11 Stadtwanderwege, die größtenteils im Grüngürtel verlaufen. Und einer davon – habe ich mir sagen lassen – enthält eine Aufnahmeprüfung. Man darf sich erst wirklich Wiener nennen, wenn man einmal den Nasenweg bezwungen hat.

Der Nasenweg ist Teil des Stadtwanderwegs 1a. Der beginnt offiziell bei der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie D, der ehemaligen Talstation der Zahnradbahn. Von dort geht es zunächst etwas mehr als 2 km entlang der Donau bis zum Kahlenbergerdorf, einem uralten Weinbauort nahe dem Kuchelauer Yachthafen.

Von dort geht es über 310 Stiegen und 12 Kehren des Nasenwegs hinauf auf den Leopoldsberg (425 m), dem nordöstlichsten Gipfel des Wienerwaldes. Die Mühe lohnt sich. In beinahe jeder Kehre bietet sich eine neue Aussicht auf die Stadt.

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Immer steil bergauf – zum Teil auf historischen Stiegenanlagen

Die Geschichte des Nasenwegs geht allerdings schon auf das Jahr 1800 zurück, als Feldmarschall Charles Joseph de Ligne, Bewohner der Burg am Leopoldsberg, den bestehenden Jagdsteig erweitern ließ um seine Burg leichter erreichbar zu machen. Die Höhenstraße gab es damals noch nicht. 1877 wurde der Weg durch den Österreichischen Touristenclub zum Promenadenweg. Viele der heutigen Bänke und Aussichtspunkte gehen auf den letzten Umbau 1936 zurück.

Am Leopoldsberg angekommen steht man an einem geschichtsträchtigen Ort mit einem Rundumblick auf das gesamte Wiener Becken – von der Stiftskirche in Klosterneuburg über Kornneuburg bis hin zu beinahe dem gesamten Wiener Stadtgebiet. Kirche und „Burg“ sind derzeit wegen Umbauarbeiten und damit verbundener Streitigkeiten übrigens leider nicht zugänglich (Stand März 2017). Die Kirche soll Gerüchten nach Ende 2017 zumindest wieder zugänglich gemacht werden.

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Blick vom Leopoldsberg auf das Kahlenbergerdorf (vorne) und die Donaucity (im Hintergrund)

Vom Leopoldsberg führt der Weg weiter über die Elisabethwiese und den Hochseilgarten hinauf zum Kahlenberg. Hier kann man gemütlich im Liegestuhl ruhen oder die Kirche am Kahlenberg besichtigen. Hier feierte der Polenkönig Sobieski 1683 in den Ruinen der von den Türken zerstörten Kirche die Messe, bevor er Wien aus der Belagerung befreite und die Osmanen vertrieb. Noch heute gilt die Kirche als polnisches Heiligtum – unter anderem hat hier auch Johannes Paul II. 1983 – 300 Jahre nach Sobieski – gebetet.

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Blick von der kleinen Aussichtskanzel neben dem Hotel am Kahlenberg

Von hier geht es zur Stefaniewarte und über den Waldbachsteig wieder zurück zur Donaupromenade und zum Nussdorfer Platz.

Ankes Wanderempfehlungen:

250 Höhenmeter werden am Nasenweg innerhalb von 1,5 Kilometern bewältigt. Dabei werden Stiegen und starke Steigungen überwunden und der Weg ist zwar asphaltiert, aber relativ grob. Ich persönlich würde den Kinderwagen eher zu Hause lassen, aber manch einer mag das als große, sportliche Herausforderung sehen.

Ich empfehle den Weg bei gutem Wetter und toller Weitsicht, er lebt ja schließlich von den Panoramen. Allerdings wissen das gerade am Wochenende viele Wiener zu schätzen, weshalb meist viel Betrieb herrscht. Wer die Möglichkeit hat, sollte eher unter der Woche gehen.

Der Weg ist für ungeübte Möchtegernalpinisten schon eine Herausforderung, es werden aber zahlreiche Möglichkeiten für eine Rast geboten. Die Wasserflasche sollte aber gerade im Sommer ins Gepäck und festes Schuhwerk ist beim Wandern ja generell von Vorteil.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schöner Artikel über eine kleine Stadtflucht ins Grüne. Ich mag das in Berlin auch von Zeit zu Zeit, einfach mal raus und Wandern oder Spazieren, cool, wenn man dabei noch wie beim Nasenweg auf die Stadt blicken kann.

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  2. Michaela sagt:

    Lustiger Name – Nasenweg. Haber noch nie davon gehört, obwohl ich oft in Wien bin. Werde ich mir auf alle Fälle bei meinem nächsten Wienbesuch ansehen 😉
    lg aus Ecuador

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  3. Franzi sagt:

    Witziger Name für den Wanderweg! Und eine schöne Aussicht hat man auch 🙂 Lieben Gruß

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