#6 Jordanian Roadtrip -Kerak – oder wie sicher ist Jordanien

Manchmal ist Reiseplanung wirklich schwierig. Bei unserer Jordanienreise standen wir plötzlich vor einem ganz speziellen Problem. Am 18. Dezember saßen wir Abends mit Reiseführern und offenem Laptop zusammen um die Route zu planen. Doch dann bekam ich einen Link über Facebook – „Terror in Jordanien angekommen“. Terroristen haben in der mittelalterlichen Stadt erst eine Gruppe Polizisten angegriffen und sich dann in der Burg verschanzt. 7 Polizisten und 3 Zivilisten wurden getötet, darunter eine Frau aus Kanada. Die Angreifer wurden alle getötet, als die Burg von Spezialeinheiten gestürmt wurde.

Ein bisschen waren wir geschockt, galt doch Jordanien bisher als sicherstes Reiseland im Nahen und Mittleren Osten. Daher hatten wir uns auch entschieden, auf eigene Faust loszufahren. Doch plötzlich lag ein Kloß im Magen, hatten wir doch alles gebucht, am 1. Januar sollte es losgehen. Und Kerak, die berühmte Kreuzfahrerburg im Zentrum des Landes stand ganz weit oben auf unserer Wunschliste.

Nach längerer Diskussion – vor allem mit Mutti – entschieden wir uns, die Reise trotzdem anzutreten und am ersten Abend in Aqaba entschieden wir dann auch, trotzdem auch nach Kerak zu fahren. Schließlich waren wir ja auch z.B. am Ground Zero.

Die Burg von Kerak

Unser Weg nach Kerak

Man kommt auf der Königsstraße aus dem Süden nach Kerak. Die mittelalterliche Altstadt um die Burg herum ist ein kleines bisschen unübersichtlich, erst im zweiten Versuch fanden wir uns im Gewirr der engen Gassen einigermaßen zurecht. Einen Parkplatz zu finden war natürlich ganz leicht, derzeit ist Nebensaison und nach den Vorkommnissen kurz vorher waren die Touristen natürlich nicht scharf darauf.

Kurze Zeit später kamen wir am Berg an. Ähnlich, wie wir es auch schon in Ägypten gesehen hatten, stand ein kleiner Radpanzer beim Eingang, sowie zahllose Polizisten. Die Burg selbst war noch geschlossen. Laut Internet Recherchen war die Wiedereröffnung für die Woche geplant, an diesem Montag war aber noch geschlossen. Zum Gedenken an die Vorfälle war eine mittelalterliche Kanone mit Blumen geschmückt und ein Kranz war niedergelegt.

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Geschichte

1142 wurde mit dem Bau der Burg von Kerak begonnen. Bauherr war Payen de Boutellier, Herr von Oultrejordain. Die Lage war optimal, um verschiedene Handelsrouten von Ost nach West zu kontrollieren – angeblich soll man bei gutem Wetter von der Anhöhe aus sogar den Felsendom in Jerusalem sehen können.

Die Burg wurde immer wieder zu einem Mittelpunkt der Streitigkeiten zwischen den Kreuzfahrern und den Muslimen – so konnte Sultan Saladin 1187 bei der Schlacht bei Hattin die Burg erst nach 8 Monaten Belagerung einnehmen.

Architektonisch ist es eine typische Kreuzfahrerburg, eine Mischung aus typisch europäischen und typisch arabischen Elementen. Heute gehört die Burg mit ihrem archäologischen Museum sicher zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Jordanien.

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Sollte man wirklich hinfahren?

Mich würde natürlich brennend interessieren – wenn ihr von der Schießerei gewusst habt, wäret ihr trotzdem hingefahren?

Ich muss sagen, mir war schon etwas mulmig, schon bei der Anfahrt dorthin. Wenn man in Länder wie Israel oder Jordanien reist, sollte man natürlich immer die generelle Sicherheitslage im Auge behalten. Wir haben in Jordanien wie auch schon in Ägypten jeden Morgen beim Auswärtigen Amt nachgeschaut, ob sich irgendwas Negatives tut. Und natürlich sollte man immer mit offenen Augen durch die Gegenden fahren.

Wir sind natürlich hingefahren – allerdings nicht aus Sensationsgier oder um zu schauen, ob wir noch irgendwo Blutflecken finden. Wir wollten uns ernsthaft die wirklich traumhafte Burgkulisse anschauen. Denn die kleine Stadt erinnert einen schon arg an mittelalterliche Städte aus Europa – die vielen kleinen Gässchen und Läden, das verwirrende Labyrinth.

Wir haben schon aus der Ferne die Polizisten gesehen, die uns auch gleich freundlich ansprachen, uns sagten, dass leider geschlossen sei und uns auch gleich erzählten, was passiert sei – einige von ihnen waren dabei, haben Freunde verloren. Und trotzdem waren alle dankbar, da hier viele Leute von den Touristen leben – die Lokale um die Burg sind leer, die unzähligen Souvenirshops natürlich auch. Und die Menschen dort sind so freundlich. Als wir uns etwas verfahren hatten, sprach uns gleich ein Araber an. Da der Weg zu kompliziert war, fuhr er direkt voraus und brachte uns so mit dem Auto hin und zeigte uns, wo wir parken können.

Meine persönliche Meinung ist, man sollte Kerak auch kurz nach so einem Anschlag nicht auslassen. Natürlich sollte man vorsichtig sein und vorsichtig bleiben – trotzdem ist Jordanien in vergleichsweise sicheres Land, in dem man auch ohne größere Bedenken alleine auf Roadtrip gehen kann.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Da stellst du eine schwierige Frage, die leider immer häufiger relevant wird: sollte man nach Anschlägen noch zu den Orten reisen?

    Nur ein paar Wochen bevor meine Belgienreise anstand, ereignete sich der Terroranschlag in Brüssel. Ich fuhr dennoch. Ich war gerade aus Nizza abgeflogen und in Paris angekommen, als der Truck in die Menschenmenge in Nizza fuhr und ich war wieder zurück in der Hauptstadt, als das gleiche an der Gedächtniskirche passierte. Das sind alles schreckliche Vorfälle.

    Und ja, man sollte auf jeden Fall vorsichtig sein. Orte, in denen starke Unruhen herrschen oder die regelmäßig zum Opfer solcher scheußlichen Taten werden, die würde ich meiden. Ich würde gerade beispielsweise wegen der politischen Lage keinen Urlaub in Istanbul machen wollen und sicher würde ich noch so einige Länder aufgrund der Terrorgefahr meiden.

    Doch diese Vorfälle halten mich nicht grundsätzlich vom Reisen ab. Ich wäre an eurer Stelle auch nach Jordanien gefahren. Wenn keine extrem akute Gefahr besteht, dann würde ich wie geplant reisen. Denn Terror hat ja immer ein Ziel gemein und das ist Angst zu machen. Wenn wir alle ängstlich werden und uns verschanzen, mit der Zeit immer mehr Vorsticht gegenüber Fremden zeigen, dann wird diese Welt ganz sicher ein gruseliger Ort. Das möchte ich nicht.

    Auch wenn mir klar ist, dass das eine sehr vereinfachte Aussage ist und sich die Meinungen hier sicher teilen werden.

    Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

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  2. colorsoftheworld1 sagt:

    Nicoles Worte sprechen mir so aus der Seele. Es passiert einfach schreckliches. Nur, wo ist man mittlerweile noch sicher? In New York werden auch Menschen überfallen, in Rio gibt es Drogenkriege…. ich wäre an eurer Stelle auch geflogen. Natürlich muss man dann auf dem aktuellen Stand bleiben und Respekt vor der Kultur haben.

    Und einfach hoffen, dass es bald woeder friedlicher wird. Nicht nur für die Reisenden. Viel mehr auch für die Leute, die dort ansässig sind!

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