Dunkles Wienerherz

In der Winterzeit ist endlich mal wieder Gelegenheit, ins Museum zu gehen. Kaum eine Stadt hat eine vielseitigere Museumslandschaft als Wien. Es gibt die Klassiker wie das Naturhistorische Museum oder die Albertina – Museen, die wohl fast jeder schon einmal besucht hat, der schon einmal in Wien war.

Nun hat die alte Kaiserstadt inzwischen weit mehr als 100 Museen und man hat die Möglichkeit, etwas außergewöhnlichere Ausstellungen zu besichtigen. So gibt es unter anderem ein Museum für Heizkultur und ein Museum für Schneekugeln. Doch auch das ist manch einem zu langweilig – ich habe mich auf die Suche gemacht nach kleinen Museen, die einen gewissen Kick haben, Museen, die anders sind – manchmal ein bisschen verstörend, manchmal ein bisschen gruselig. Aber alle blicken auf ihre ganz eigene Weise tief in die menschliche Seele.

narrenturmAnatomisch Pathologische Sammlung im Narrenturm, Unicampus, Spitalgasse 2, 1090 Wien – Öffnungszeiten Mi 10 – 18 Uhr, Do und Sa 10-13 Uhr – Führungen immer zur vollen Stunde

Der Narrenturm beherbergt die mit rund 50000 Exponaten größte anatomisch-pathologische Sammlung Europas. Dort bekommt man allerhand gruselige Krankheiten zu sehen – präparierte, deformierte Föten, echte Pestbeulen oder Pockennarben, Schädel, die mit einer Axt gespalten wurden oder auch Opfer misslungener Therapien. Die Führungen durch die Schausammlung wird von Medizinstudenten durchgeführt, die einem alles Wissenswerte über die Exponate erklären.

Der Name Narrenturm stammt übrigens von den ehemaligen Insassen. Im unter Kaiser Joseph II. gebauten Haus war einst die erste Psychatrie Europas untergebracht. Viel ist von dieser früheren Verwendung noch zu erkennen – die 13 Quadratmeter großen Einzelzellen, verbunden durch einen engen Gang – die glatte Außenfassade an der man auch den ältesten Blitzableiter Europas findet.

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Fälschermuseum, Löwengasse 28, 1030 Wien – Öffnungszeiten Di – So 10-17 Uhr

Original oder Fälschung? Die Frage stellt das kleine Museum, direkt gegenüber dem Hundertwasserhaus – und es ist damit einzigartig im deutschen Sprachraum. Manch ein Künstler, dessen Werke hier ausgestellt sind, rühmt sich sogar, mehr als 2000 Fälschungen geschaffen zu haben.

Für mich ein absolutes Highlight – echte Seiten aus dem legendären Hitlertagebuch von Konrad Kujau.

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Foltermuseum, Fritz-Grünbaum-Platz 1, 1060 Wien – Öffnungszeiten tägl. 10-18 Uhr

Schon der Ort, der für das Foltermuseum gewählt wurde, ist ein kleines bisschen gruselig. Es liegt in einem unterhalb des alten Flakturms (heute Haus des Meeres) gelegenen Luftschutzkeller. Bei einer Runde durch die kleine Ausstellung begibt man sich auf eine Reise durch die Rechtsgeschichte Österreichs und lernt anhand von Figuren die jeweils gängigen Methoden zur Wahrheitsfindung – von der Daumenschraube bis zur Eisernen Jungfrau. Den Pranger beim Eingang kann man dann gleich auch noch selbst ausprobieren.

Aber das Museum hat durchaus auch einen ernsten Hintergrund. Es wird von Amnesty International unterstützt und am Ende der Ausstellung wird einem noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass Folter noch heute in vielen Ländern der Erde angewendet wird.

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Wiener Kriminalmuseum, Große Sperlgasse 26, 1020 Wien – Öffnungszeiten Di – So 10-17 Uhr

So richtig tief in die Kriminalgeschichte Wiens dringt man im Kriminalmuseum im 2. Bezirk ein. Beginnend mit den Hexenprozessen erfährt man alles über die schlimmsten Kriminalfälle – Axt- und Giftmörder, Kaiserattentäter und Kindermörder von Wien. Anhand von echten Tatortfotos und diverser Tatwerkzeuge werden die schlimmsten Verbrechen aus mehr als 200 Jahren dargestellt. Auch die echten Schädel diverser Hingerichteter werden gezeigt, die konserviert wurden, um mittels Kraniometrie festzustellen, ob es Merkmale des Bösen gibt.

Als kleine Warnung: Man sollte wirklich nur gut vorbereitet in dieses Museum gehen, da man hier echten und sehr grausamen Taten begegnet – von einem Besuch mit Kindern würde ich absolut abraten!

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. colorsoftheworld1 sagt:

    Also das Kriminalmuseum würde mir gefallen. Ich bin ein richtiger Krimifan. Und das Fäschungsmuseum finde ich auch sehr interessant. Das Foltermuseum hat einen tollen Zweck. Mir was es schon bewusst, dass da weltweit noch viel Handlungsbedarf ist. Im ersten Museum hingegen würde ich mich nicht wohlfühlen…. das ist einfach nix für mich….

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    1. mir ging es als studierte Biologin genau umgekehrt- im kriminalmuseum bei den ganzen echten Krimis war mir hinterher sogar etwas schlecht…

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  2. Das Foltermuseum sieht sehr spannend aus, wusste gar nicht, dass es ein solches in Wien gibt. Bei meinem nächsten Wienaufenthalt werde ich dieses auf alle Fälle auf meine To-Do Liste setzten!

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  3. Oh ja, die Museen in Wien habe ich in guter Erinnerung.

    Wir waren damals in der Albertina. Deren Audiotour ist so gut gemacht, dass selbst mein sonst nicht so kunstinteressierter Freund vollkommen begeistert war.

    Und dann waren wir damals noch in einer Ausstellung zum Thema Wolken, die überraschend gut war. Für mehr war leider keine Zeit. Aber Wien ist ja immer mal einen Besuch wert, das nächste mal planen wir dann auch Zeit für das Fälschermuseum ein, das klingt nämlich spannend.

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

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  4. Franzi sagt:

    Echt interessante Liste! Ich mag Museebbesuche sehr gern, mache es aber leider viel zu selten. Ein Foltermuseum hab ich das erste Mal in Prag besucht und es war echt faszinierend, verstörend aber faszinierend. Das in Wien würde ich bestimmt auch einen Besuch abstatten.

    Lieben Gruß
    Fräulein Reiselust 🙂

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  5. Hallo Anke,
    ich muss gestehen, ich bin kein Museums Fan. Irgendetwas an diesen Gebäuden verursacht bei mir immer eine spontane Müdigkeit und nach einmal durchlaufen kann ich einfach nicht mehr. Trotzdem sind viele Museen wirklich interessant und das Kriminalmuseum würde mich schon auch einmal reizen.

    Viele Grüße
    Victoria

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  6. Das sind wirklich tolle Tipps. Leider habe ich kaum eines der Museen auf meiner letzten Wien Reise besucht. Bei der nächsten aber ganz bestimmt.

    Herzlich,
    Anna

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