#4 Jordanian Roadtrip – Being an Umayyade Prince

Hallo Leute!

Die Wüste im Norden von Jordanien ist legendär für ihre Wüstenschlösser, die sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Auf unserem 7tägigen Roadtrip durften die natürlich nicht fehlen – auch wenn es einem ein bisschen mulmig wird, wenn es plötzlich nur noch 200 km bis in den Irak sind…

Alle Wüstenschlösser haben wir bei der wenigen Zeit natürlich nicht geschafft…

Wir starteten von Madaba aus in Richtung Amman und von da dann auf der Straße 40 Richtung Azraq.

Eins vorab – der Eintritt zu allen drei besuchten Wüstenschlössern ist im Jordan Pass enthalten-

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#Qusair ‚Amra

Fast schon ein bisschen unwirtlich liegt das Wüstenschloss Qusair ‚Amra direkt an der Straße von Amman in Richtung irakische Grenze – mitten in der Wüste im Nirgendwo. Obligatorisch hatten wir dann direkt einen Guide, der uns in „seinem Schloss“ willkommen hieß. Ich finde das immer ganz amüsant und nett. Und bei der Fülle an Informationen, die die Fresken liefern, lohnt es sich auch, die Tour nicht abzulehnen und dem Guten auch ein kleines Trinkgeld zu geben.

Das Schloss in der Wüste war eine Art Ferienhaus umayyadischen Prinzen Al-Walid ibn Yazid, der später zum Kalifen wurde. Fast ist es nicht zu glauben, dass es schon 1300 Jahre an dieser Stelle steht – vor allem, wenn man die teils noch sehr gut erhaltenen Fresken sieht. Die haben eine Besonderheit, gilt doch die Abbildung von naturgetreuen Menschen im Islam eigentlich nicht erlaubt ist – was allerdings erst eine spätere Entwicklung war. Neben einem musizierenden Bären zeigen die säkularen Bilder das alltägliche Leben, den Alltag und vor allem eine der ältesten Darstellungen eines Sternenhimmels.

Zudem gibt es ein Warm- und ein Kaltbad – und das Ganze ist beeindruckend gut erhalten, man sieht sogar noch, wie die Rohrleitungen für das warme Wasser verliefen und zum Teil sind auch noch Bodenmosaike aus der Schule von Madaba erhalten.

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Details der Fresken – Darstellung des Alterns
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Darstellung einer Sternenkarte über dem Wärmebad

Die Räume sind relativ eng, man erkennt aber noch immer deutlich, wie ausgeklügelt das System war, um etwa das Wasser für das Wärmebad aufzuheizen. Draußen sieht man die Feuerstelle und das Brunnenhaus, genauso wie die vielen kleinen Kuppeln.

Für mich ist Qusair ‚Amra ein echt spannendes Highlight, die Wandmalereien sind in der islamischen Kunst einzigartig und aufgrund des trockenen Wüstenklimas auch nach 1300 Jahren noch in einem beeindruckendem Zustand.

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#Qasr al-Azraq

Das Wüstenschloss von Azraq hat einen ganz anderen Ursprung. Es geht auf die Römer zurück, die hier eine Garnison errichteten. Die Umayyaden übernahmen das Gebäude und die Mamelukken gaben ihm 1237 ihr entgültiges Aussehen.

Die Burg wirkt abweisend mit ihrem quadratischen Grundriss von 80×80 Metern und ihrer schwarzen Farbe.

1917 machte der legendäre Lawrence von Arabien die Burg zu seinem Hauptsitz, als er die arabische Revolte gegen die osmanische Herrschaft anführte.

Heute ist die Burg mehr eine Ruine, in der man ein bisschen rumsteigen kann. In der Mitte sind die Reste einer Moschee zu sehen und in einem weiteren kleinen Raum sieht man unzählige Tafeln mit griechischen Inschriften, die man in der Burg gefunden hat.

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#Qasr Kharana

Auf dem Rückweg nahmen wir dann auch das Qasr Kharana mit. Ehrlich gesagt hatten wir den nicht wirklich einladend aussehenden Kasten auf dem Hinweg komplett übersehen. Mit seinem quadratischem Grundriss und seinen beinahe wie Schießscharten wirkenden Fenstern schaut die Anlage fast aus wie eine mittelalterliche Burg. Über die ursprüngliche Nutzung ist man sich bei der Anlage, die Anfang des 8. Jahrhunderts errichtet wurde, nicht einig. Offensichtlich ist nur, dass sie keine militärisch relevante Position hat. Am naheliegendsten ist wohl die Funktion als Karawanserei, also als Station für die Karawanen, die hier in Ost-West-Richtung unterwegs waren. Man findet aber auch einige Inschriften der Umayyaden, die eventuell darauf hinweisen, dass es sich um einen Treffpunkt für Beratungen handelt.

Das Innenleben der Burg ist spannend, fast schon ein bisschen Labyrinthartig. Man kann in die erste Etage raufsteigen und teilt sich die Räume eigentlich nur mit den unzähligen Tauben.

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#Rund um die Strecke

Was früher die Karawanen waren, sind heute die LKW, die auf der 40 in Richtung Irak unterwegs sind. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele das wären, wenn die Grenze zum Irak auf ist. Jordanien hat die Grenzen dorthin, genau wie nach Syrien komplett verschlossen. So fährt man heute bis Azraq und nicht weiter, da dann das Militärgebiet beginnt. Trotzdem ist es einem schon mulmig zu Mute, wenn man regelmäßig Nachrichten schaut und es plötzlich nur noch 240 km bis zur Grenze sind.

Ansonsten sieht man in der Gegend nicht viel – die Wüste ist flach, ab und zu sieht man mal eine kleine Schafherde. Tanken sollte man daher nach Möglichkeit vorher in Amman – denn die nächste Tankstelle ist in Azraq. Und eine Wagenpanne mag man auf der beinahe schnurgeraden Strecke auch nicht haben.

Die Straße ist aufgrund der vielen LKW und der sengenden Hitze, die im Sommer herrscht, nicht in optimalem Zustand, aber man kann schon gut fahren, wenn man sich denn zwischen den vielen Brummis wohlfühlt. Die Tour ist an einem 3/4 Tag gut zu machen. Wir sind im Anschluss noch zum Sonnenuntergang auf den Berg Nebo gefahren. Aber dazu gibt es später noch mehr…

In Azraq ist übrigens eines der größten Refugee Camps in Jordanien. Im März 2016 sollen hier 32000 Flüchtlinge gewesen sein.

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Nicht viel los in der Wüste

 

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Franzi sagt:

    Wow! Ich habe noch nie von Wüstenschlössern gehört! Vor allem das erste sieht unglaublich beeindruckend aus, gerade weil es so gut erhalten ist! 🙂 Würde ich mega gern mal in echt sehen. Vielen Dank für den schönen Artikel 🙂

    Lieben Gruß

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  2. weltwunderer sagt:

    Ich will auch!! Meinst du, das kann man auch mit Kindern machen, oder ist das zu langweilig/anstrengend?

    LG, Jenny

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    1. Also ich habe (auch in Petra) wirklich wenige Leute mit Kindern gesehen. In Petra liegts wohl daran, dass du da wirklich gut zu Fuss sein musst (wir sind in 2 Tagen 45 km gelaufen). Ansonsten kann ich das (mangels eigener Kinder) irgendwie schrieg einschätzen. Wie alt sind die Kids denn?

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      1. weltwunderer sagt:

        Oh,laufen ist doof. Die Kids sind zwischen 3 und 12, und wenn sie etwas hassen, dann ist es laufen 😉

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