#3 Jordanian Roadtrip: Being Johannes der Täufer

Hallo Leute!

Manchmal liest man von Sehenswürdigkeiten im Reiseführer und will da einfach hin. Das Tote Meer war bei unserem Jordanientrip ganz weit oben auf der Wunschliste. Da diese Stätte nur wenige Kilometer von der nördlichen Mündung des Jordan ins Tote Meer liegt, landete auch die Taufstätte Jesu Christi auf unserem Plan – ein unerwartet skurriles Schauspiel.

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Jesus Christ Baptism Site

Die Stätte liegt etwa 7 km nördlich vom Toten Meer, direkt am Jordan nahe der Stadt al-Maghtas. Sie stellt eine der wenigen Orte da, an denen man ans Ufer des Jordan herantreten kann, denn erst seit dem Schluss des Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien ist das Gebiet nicht mehr an der Frontlinie zwischen den beiden Ländern. Das Areal liegt also noch heute im militärischen Sperrgebiet in Bethany beyond Jordan.

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Nach dem Friedensschluss wurde das Gelände um die Taufstätte geräumt und im Jahr 2000 eröffnete Papst Johannes Paul II. das Gelände mit seinen heute 7 unterschiedlichen Kirchen. Vermutet wird hier die Wirkungsstätte des biblischen Johannes des Täufers und damit auch das Becken, indem sich Jesus hat taufen lassen – somit hat hier eines der ersten Rituale des Christentums seinen Ursprung.

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Ganz viele kleine Kirchen – momentan 7, bald sollen es 21 sein

Entsprechend des Militärstatus darf man auch nicht alleine im Gebiet herumlaufen. Man kommt zu einem Sammelpunkt. Dort zahlt man den Eintritt. Der ist mit 12 JD (rund 16€) relativ hoch, das Gelände wird allerdings von einer privaten Stiftung in Schuss gehalten und bekommt somit keine staatlichen Zuschüsse.

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Dort muss man dann ein bisschen warten, bis der etwa halbstündlich verkehrende Shuttlebus kommt. Der bringt einen vorbei an einem Kontrollpunkt zum etwa 4 km entfernten Ausgangspunkt der Tour.

Mit einem Guide geht es dann auf den knapp 1 stündigen Rundgang durch das hübsch zurecht gemachte Areal – vorbei an verschiedenen Archäologischen Ausgrabungsstätten, die darauf hindeuten, dass hier seit Jahrtausenden Taufzeremonien abgehalten wurden. Man kommt vorbei an den Resten eines Taufbeckens und kommt schließlich zu einer orthodoxen Kirche, die heute am Jordanufer steht.

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Im Gegensatz zur Zeit Jesu ist der Fluss heute nur noch wenige Meter breit. Vor 2000 Jahren sollen es noch mehr als 300 Meter gewesen sein, das hat aber aufgrund der starken Wasserentnahme wesentlich abgenommen. In der Mitte des Flusses verläuft eine Art Begrenzungsband wie aus dem Schwimmbad, das die Grenze zwischen Jordanien und Israel repräsentiert. Die wird allerdings im Hintergrund dann doch relativ strikt überwacht.

In Jordanien sind die neuzeitlichen Taufzeremonien am Jordan eher weniger üblich. Dafür gibt es aber auf der anderen Grenzseite in Jericho ein wahres Taufzentrum. So steht man am Jordan, der heute nur noch ein schmales Rinnsal ist. Dort hat man Bänke aufgestellt, so dass man die Menschen beobachten kann, die sich auf der anderen Seite selbst taufen.

Nein – ich habe nix gegen Taufen, im Gegenteil. Das Schauspiel war aber dann doch eher skurril. Kaum kamen wir am Jordanufer an, kamen wenige Meter entfernt etwa 20 Frauen und Männer in langen weißen Gewändern an – aber nicht sonderlich meditativ oder bedacht – nein, mit Selfiestangen unter dem Arm zum kurzen Bad im Jordan – bei 13 Grad. Nun ja, jedem das Seine! By the Way – für die Zuschauer sind weiße Gewänder dann doch etwas gewagt, vor allem, wenn sie nass sind. Von den 20 machte einer den Eindruck, als mache er das aus religiösen Gründen. Für die anderen war das wohl eher ein nettes Sightseeing-Event, das man zu Hause erzählen kann.

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Einmal lächeln und dann Einmal baden

Insgesamt empfand ich den Besuch bei der Taufstätte nicht als religiös erhebend, ziemlich teuer war er noch dazu. Der junge Mann, der uns als Guide diente, wechselte zwischen „schneller, schneller“ und „Moment, ich muss mal eben auf die Whatsapp-Nachricht antworten“. Am Ende wurden wir dann noch ausgiebig in einen Shop für religiöse Devotionalien geschickt bis unser Shuttlebus wiederkommt. Mich hat die ganze Prozedur irgendwie gestört, wobei das eben vermutlich sein muss, weil wir uns schließlich mitten im militärischen Sperrgebiet befanden. Aber das Schauspiel am israelischen Ufer war eigentlich alleine schon das Eintrittsgeld wert.

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Eine Landesgrenze im Schwimmbad

Sehr erfreulich war für mich der grandiose Zustand der Anlage – alles war mit Schattenspendern überdeckt und hübsch bepflanzt, es wurde viel Geld investiert, und das spürt man auf Schritt und Tritt.

Die Taufstätte Jesu ist sicher einen kleinen Ausflug wert – auch für Feiertagskatholiken wie mich. Man hat die besten Logenplätze bei einem interessanten Schauspiel und einmal quer durch ein Militärsperrgebiet ist sicherlich auch eine spannende Sache. Der Eintritt ist zwar hoch, gelohnt hat es sich – trotz der miserablen Führung – trotzdem.

Eure Anke

 

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jessi sagt:

    Ohje, das Schauspiel mit den Selfiestangen in weißen Gewändern klingt ja wirklich skurril. Ich finde, auch wenn man nicht religiös ist, ist da doch zumindest ein bisschen Respekt angebracht. Ansonsten klingt der Bericht aber super spannend! Das war bestimmt eine interessante Erfahrung.
    Liebe Grüße, Jessi 🍍

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  2. Katharina sagt:

    Hallo Anke,
    jetzt bin ich doch glatt mit einem breiten Grinsen in den Morgen gestartet: die Selbsttäufer mit weißen Gewändern und Selfiestangen sind einfach herrlich skurril. Da geht es wohl tatsächlich weniger um den Glauben, sondern um den nächsten Post auf Facebook 😉 Schade, dass die Führung so schlecht war – daraus könnte man sicher wesentlich mehr machen.
    Liebe Grüße
    Katharina

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  3. weltwunderer sagt:

    Oho, Jordanien und die religiösen Stätten hatte ich schon lange auf meiner Liste stehen, auch wenn ich Atheistin bin. Deine Beschreibung macht mir eigentlich noch mehr Lust darauf 😉

    Übrigens: Mit dem Spruch „Jedem das Seine“ solltest du vorsichtig sein. Mal googeln, wo der herkommt…

    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Haha, ja als Atheist kann man das ganze wahrscheinlich noch amüsierter beobachten. Den Spruch kenne ich, ich weiß auch durchaus, wo er herkommt, ohne zu googlen. Aber ich bin ja der Meinung, dass der Spruch an sich nichts über irgendeine politische Gesinnung aussagt…

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  4. Kathi sagt:

    Liebe Anke,

    was für ein schöner und ehrlicher Beitrag. Ich war leider noch nicht in Jordanien, aber ich sehe die unterschiedlichen Szenen, die du beschreibst, geradezu bildlich vor mir.
    Bei eurem Besuch sind wirklich ein paar schöne und zum Teil recht dramatisch-aussehende Bilder entstanden. Toll!

    Viele liebe Grüße
    Kathi

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  5. Ina sagt:

    Klasse!! Ich habe herzlich gelacht. Alleine um das Taufspektakel zu sehen lohnt sich der Besuch schon. Aber auch der Rest der Anlage scheint interessant zu sein. Und das drumherum beim Besuch eines militärischen Sperrgebiets was bestimmt auch spannend.
    LG
    Ina

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  6. Hallo Anke,
    Jordanien steht ja ziemlich weit oben auf meiner Reise-Wunschliste. Die Taufstätte hatte ich dabei allerdings weniger auf dem Zettel, aber es scheint ja wirklich ein „besonderes“ Erlebnis gewesen zu sein 😉
    Liebe Grüße,
    Marion

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