#1 Jordanian Roadtrip – Being Indiana Jones

Als eingefleischter Harrison Ford Fan durfte ein Besuch in der legendären Felsenstadt Petra natürlich bei unserem Jordanien Trip nicht fehlen. 2,5 Tage wollten wir uns Zeit nehmen und das hat sich absolut gelohnt.

#Nabatäer und ihre Geschichte

Die Nabatäer waren ein unauffälliges Nomadenvolk, das im 5. Jahrhundert vor Christus durch geschickten Handel zu einiger Macht kam. Ihre Hauptstadt Petra wurde exakt am Schnittpunkt mehrerer Karawanen gründeten, die Ägypten mit Syrien verbanden. Die bekannteste dieser Straßen ist die Weihrauchstraße. Dadurch wurde Petra schnell zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen des Nahen Ostens.

Petra wurde in einem tiefen Felsenkessel auf halben Weg zwischen dem Roten und dem Toten Meer gegründet, nur zugänglich über den 2 Kilometer langen, bis zu 70 Meter hohen und an der engsten Stelle nur 2 Meter breiten Siq. In dem sieht man noch heute eine Kerbe, in der einst das Wasser nach Petra floß.

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Die Gebäude in der Stadt zeigen deutlich römische und griechische Einflüsse. Auch eine frühe christliche Gemeinde entstand in Petra.

Nach den Kreuzzügen hat Petra schließlich kein Mensch mehr betreten. Erst der Schweizer Abenteurer Johann Ludwig Burckhardt ließ sich von seinen beduinischen Begleitern zum Grab Aarons führen, das nahe der alten Bauten liegt. So wurde die Stadt neu entdeckt.

Bis heute birgt die Stadt der Nabatäer viele ungelöste Geheimnisse.

#Was man in Petra nicht verpassen darf

Schatzhaus des Pharao (Khazne al-Firaun)

Nach Petra kommt man nur durch den engen Siq, eine natürlich geformte Felsspalte, die einen rund 2 km lang auf die Folter spannt. Kurz vor Ende verengt sich diese Spalte und gibt den ersten Blick auf das wohl bekannteste Gebäude in Petra frei – das legendäre Schatzhaus des Pharao, das spätestens seit Indiana Jones hier 1989 den heiligen Gral jagte, in der ganzen Welt bekannt ist.

Der Name Schatzhaus des Pharao entstammt übrigens der Legende, dass in der Urne oben am Haus der Schatz des Pharao versteckt sein soll. Einst probierte man, es herunterzuschießen – die Einschusslöcher sind im massiven Gebilde noch heute deutlich zu erkennen. In Wahrheit aber war das Schatzhaus ein Mausoleum für wichtige Mitglieder der Nabatäischen Gesellschaft. Es entstand im 2. Jahrhundert nach Christus.

Ich muss ehrlicherweise gestehen, ich hatte mir die Fassade weit kleiner vorgestellt und war entsprechend beeindruckt, als ich das erste Mal davor stand – hineingehen wie Indy darf man übrigens nicht. Die Fassade wurde aus dem massiven Fels geschlagen und ist rund 40 Meter hoch und 25 Meter breit.

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Königswand

Die Königswand liegt am Nachmittag im prachtvollen Licht. Hier findet man 13 Grabtempelfassaden, darunter das Palastgrab und das Urnengrab. Insgesamt sind hinter den Prunkfassaden mehr als 1000 der 31000 Begräbnisstätten von Petra zu finden.

Byzantinische Kirche

Eindrucksvolle Bodenmosaike mit Tiermotiven sind die letzten Reste der Byzantinischen Kirche von Petra.

Palast der Tochter des Pharao

Das wohl am Besten erhaltene freistehende Gebäude liegt am Ende des Talkessels von Petra. Eigentlich handelt es sich um einen der drei Hauptaltäre, in dem wohl dem Felsengott Dushara geopfert wurde. Der Name enstammt der Beduinenlegende, dass der Pharao demjenigen seine Tochter zur Frau geben würde, dem es gelänge, Frischwasser nach Petra zu bringen.

Er liegt im Zentrum des Innenstadtbezirks, der durch das über eine Säulenstraße durch das Themenos-Tor erreicht wird. Hier ist auch ein alter Römischer Tempel zu finden.

#Wandern ohne Esel in Petra

In Petra bekommt man auf Schritt und Tritt Donkey- oder Camel-Rides angeboten. Die Beduinen verdienen sich damit ihr Einkommen. Häufig wird man von etwa 7 Jährigen angesprochen, die zum Teil auch ordentlich mit ihren Gummischläuchen die Esel antreiben. Wir haben ganz und gar darauf verzichtet. Zur Beruhigung übrigens: Die Tiere – auch die Kutschpferde, die durch den Siq getrieben werden, sahen allesamt gesund aus (in Ägypten haben wir schlimmeres gesehen). Sie werden auch tierärztlich betreut und Mißhandlungen kann man anhand der Registrierungsnummer, die ich zumindest bei allen Kamelen gesehen habe, melden.

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Man sollte sich allerdings einer Sache bewusst sein: Petra erfordert viel Laufarbeit. Wir sind in unseren 2,5 Tagen sicher 45 km gelaufen – über Stock und Stein und vor allem über felsige Treppen. Alleine der Weg vom Besucherzentrum zum Siq, der engen Felsenschlucht, die den Haupteingang bildet, ist etwa 1 km, dazu kommen 2 km Siq, da ist man schon bei 3 km, bis man das erste Highlight sieht (und den Weg muss man ja auch noch zurücklaufen).

Wenn man in Petra die Zeit dazu hat, bieten sich 3 Wanderungen an. Auf den Weg zum Tresury View Point haben wir allerdings verzichtet…

#Great High Place of Sacrifice

Die Wanderung bietet sich eher für den Vormittag an. Noch vor dem Theater beginnt der Aufstieg über hunderte Stufen zum großen Opferplatz. Der Aufstieg wird allerdings mit dem wohl besten Überblick über den Talkessel belohnt. Von hier überblickt man die Königswand und den Tempel, sogar die Urne des Klosters ist zu sehen.

Von hier aus kann man dann über das Ferasa-Tal bis in die Innenstadt Petras laufen. Wieder führt der Weg über Stufen hinunter, vorbei an zahlreichen Grabfassaden und einem Löwenrelief, das einst als Endpunkt einer nabatäischen Wasserleitung diente.

#Kloster Ed-Deir und Great View Point

800 Stufen wurden im Reiseführer angekündigt – vielleicht doch lieber ein Esel? Nein, als ich die steilen und ausgetretenen Stufen gesehen habe, wäre das für mich als bekennenden Schisser wohl eher nix gewesen. Daher machten wir uns zu Fuss an den gut 1 Stündigen aufstieg, der gesäumt ist von Souvenirshops – und schon nach 30 Minuten ist man „Nearly there – want some tea?“. Nach 75 Minuten und mehreren Pausen haben wir es dann wirklich geschafft.

Das Kloster ist eigentlich irreführend. Dieser Name entstammt wohl der späteren Nutzung als Einsiedelei. Wie so häufig in Petra ist der Sinn des Gebäudes noch nicht zu 100% aufgeklärt, man vermutet einen nabatäischen Tempel. Mit einer Breite von 50 Metern und einer Höhe von 40 Metern zählt das Ed Deir zu den größten Felsfasaden der Nabatäer.

Von hier aus führt ein Weg weiter zum „Greatest View“. Von einem kleinen Felsplateau kann man von hier auf die Ausläufer des Gebirges und die Ebene der Jordanischen Wüste schauen. Der Weg nimmt vom Kloster aus etwa 15 Minuten in Anspruch und lohnt sich allemal.

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#Petra by night

Hat man die Gelegenheit dazu, sollte man unbedingt bei einer Veranstaltung teilnehmen, die „Petra by Night“ heißt. Die Beduinen tauchen dafür den Weg durch den Siq und das Schatzhaus ins Licht tausender Kerzen. Man bekommt einen Platz auf einer Matte im Sand und einen warmen Tee, ein Flötenspieler trägt zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei.

Für mich war Petra by Night sogar der erste Eindruck der antiken Felsenstadt. Der Weg durch die enge Schlucht, nur in Kerzen getaucht, und als der Flötenspieler anfing, hatte ich sogar Tränen in den Augen.

Petra by night findet immer Montags, Mittwochs und Donnerstags statt. Tickets gibt es für 17 JD (etwa 23€) ab 20 Uhr an den Kassen. Die Veranstaltung beginnt um 20.30 Uhr, wenn sich die Leute auf den rund 3 km langen Weg durch den Siq zum Schatzhaus machen und geht bis etwa 22 Uhr.

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#Wichtige Petra Tipps

  • In Petra wird einem RICHTIG Eintritt abgeknöpft. Kommt man etwa nur für einen Tagestrip aus Israel, muss man Visagebühren entrichten und zusätzlich 90 JD zahlen (entspricht etwa 120€). Bleibt man aber länger als 3 Tage im Land, empfiehlt sich der Jordan Pass, bei dem nicht nur viele Sehenswürdigkeiten (wie Petra oder die Wüstenschlösser) inklusive sind und einem zusätzlich die Visagebühr und die Ausreisesteuer erlassen werden. Den Pass bekommt man im Vorfeld der Reise über www.jordanpass.jo . Der wird herausgegeben vom Jordanischen Tourismusboard und funktioniert auch ganz prima.
  • Wichtig ist gutes Schuhwerk – bei einem Tag in Petra geht man wahnsinnig viel zu Fuß, der Boden ist uneben, die Stufen sind häufig einfach aus dem Fels geschlagen und relativ glatt.
  • Es gibt zwar zwei Restaurants und mehrere Snackbars, die Preise sind aber zum Teil sehr hoch. Tee bekommt man dagegen immer und überall aus Gastfreundschaft angeboten – ein bisschen Kleingeld freut die Beduinen dagegen sehr. Wir haben uns vorher im Supermarkt eingedeckt mit Keksen. Das sollte man aber VOR dem Besucherzentrum machen, dort zahlt man nämlich für eine gammelige Banane schonmal mehr als 1€.
  • Die Reisezeit Anfang Januar empfanden wir als optimal. Zwar ist es mit gut 10°C am Tag (und 5°C bei Petra by night) nicht gerade warm, aber man ist ohnehin den ganzen Tag zu Fuss unterwegs und bekommt bei jedem Stand einen warmen Beduinen-Tee angeboten. Im Sommer sollen es bis zu 40°C im Talkessel werden, da war mir der Winter doch etwas angenehmer. Zudem waren bei weitem weniger Leute unterwegs. Die Massen verlaufen sich im riesigen Gelände zwar sehr schnell, aber alleine ist man im Siq wohl sonst eher selten. Im Winter öffnet Petra um 6 Uhr – letzter Einlass ist um 16 Uhr. Wir kamen an beiden Tagen erst um halb 6 raus.

#Hotel

Wir übernachteten für 14,50 JD für das Doppelzimmer(rund 20€) im Petra Nights Hotel in Wadi Musa. Das liegt zwar am äußersten Stadtrand von Wadi Musa, ganz oben am Berg, da wir aber eh ein Auto hatten, machte uns das nichts weiter aus. Das Auto kann man gut an der Zugangsstraße zum Besucherzentrum von Petra gebührenfrei parken.

Das Petra Nights ist ein gutes Mittelklasse Hotel mit sauberem Badezimmer (nur der Duschvorhang fehlte) und sehr freundlichem Personal. Frühstück gibt es zusätzlich für 7 JD. Das haben wir allerdings nur am ersten Tag in Anspruch genommen. Es gibt Omlette, Humus, Brot und etwas Gemüse – dazu Nescafé oder Tee.

#Was ich aus Petra mitnehme

Petra ist eines der 7 modernen Weltwunder – und das zu Recht. Dreimal kam ich durch den Siq, dreimal staunte ich über die beeindruckende Fassade des Schatzhauses.Und bedenkt man dass (laut Aussage eines Beduinen) erst 10% von Petra ausgegraben wurde, hat Indiana Jones hier (rein beruflich als Archäologe) hier noch wahnsinnig viel zu tun. Und gerade das macht wohl die Faszination aus. Es gibt eben noch wahnsinnig viel zu entdecken – an jeder Ecke werden einem von den Einwohnern antike Münzen (zu erstaunlich günstigen Preisen) angeboten, zu einem Kauf konnte ich mich aber nicht durchringen – ich wollte über Israel ausreisen und dass das manchmal nicht so einfach ist, ist ja bekannt.

Durch die Stadt zu streifen, die in allen Rottönen strahlt, birgt eine gewisse Faszination, der sich wohl kaum jemand entziehen kann. Wir konnten uns kaum losreißen.

 

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jessi sagt:

    Da kommt Abenteuerlust auf!
    Ein wirklich interessanter und informativer Bericht, man spürt deine Faszination.
    Aber wow, der Eintritt ist ja wirklich happig. Werde mir deine Tipps dazu merken, falls ich demnächst auch mal auf Indy’s Spuren wandeln darf. 😀

    Liebe Grüße,
    Jessi

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  2. Steffi sagt:

    Ich musste doch sofort meinen alten Bericht wieder rauskramen! Kamen schöne Erinnerungen auf. Ich war damals mit meiner Freundin, einer evangelischen Theologin, die uns sehr viel über den alten Glauben, die Bethyle und al-Uzza, die Göttin erzählt hat. Ich glaube, ich muss meinen Bericht auch mal veröffentlichen, auch wenn es lange her ist.
    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Klar solltest du! Mir war das für meinen Blogbeitrag viel zu komplex… Schick mir den Link, dann lese ich ihn auf jeden Fall und setz dann in meinem Beitrag einen Link!

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  3. Hey Anke,

    also zwei Kilometer lang durch diese enge Felsspalte zu laufen wäre ja für mich schon Highlight genug, lach. Das muss alles echt irre und ein wenig surreal sein, als wäre man im Filmpark. Danke für’s „mitnehmen“:)

    Und: was für ein lustiges Eselsbild!

    Liebe Grüße
    Nicole
    vom Reiseblog PASSENGER X

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    1. Hi Nicole – Ja, surreal ist wohl das richtige Wort – vor allem, wenn man sich vorher den Indiana Jones Film angeschaut hat, glaubt man wirklich, Harrison Ford kommt gleich peitschenschwingend um die Ecke. Das Eselsbild ist großartig. Es war, als würde er für mich posieren – 3x hat er es gemacht, bis ich endlich das Handy zur Hand hatte… LG Anke

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  4. Victoria sagt:

    Hallo Michaela,

    das ist ein wahnsinnig interessanter Bericht, ich hab schon sehr viel allein dadurch gelernt. Du hast mir Petra richtig schmackhaft gemacht und vielleicht schaffen wir es ja auch einmal in die Ecke. Ich fürchte aber mit Sohn sollte es dann auch eher der Winter und vor allem auch ein Esel sein. Danke für den tollen Bericht und die schöne Schreibweise.

    Viele Grüße
    Victoria

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    1. Ich heiße zwar anke, aber das freut mich natürlich trotzdem 🙂 mit Kids waren tatsächlich fast alle mit Esel oder Kamel unterwegs – ist also nix schlimmes 🙂

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