Ein Tag in Japans alter Hauptstadt

Hallo Leute!

Bei meinem Besuch in Kyoto im Juni hatte ich auch die große Gelegenheit, eine wahre Perle der japanischen Geschichte zu besuchen. Von dort ist das kleine Nara nämlich nur etwa eine Stunde Zugfahrt entfernt – und die Züge fahren tagsüber etwa alle 30 Minuten, dem grandiosen Zugsystem dort sei Dank.

Und so kamen wir auch schon um 9 Uhr morgens in der südlich von Kyoto gelegenen kleinen Stadt. Dort kann man für 600 Yen ein Tagesticket für die Busse lösen und mit dem gelben Ringbus erreicht man alle Sehenswürdigkeiten perfekt.

Wir begannen unseren Tag im Todai-ji Tempel bei einer der größten Buddha-Figuren Japans. Doch der Weg dorthin ist nicht leicht. Im Nara-Park liegen die meisten Sehenswürdigkeiten des alten Naras liegen. Und dort leben die berühmten Sika-Hirsche. Die Tiere gelten als Götterboten und sind sehr zahm, da man an jedem Souvenirstand eine Packung Kekse für die Tiere kaufen kann. Das wird natürlich sehr gerne genutzt, weshalb die Tiere rotzfrech und ziemlich fordernd werden können.

Im Nara-Park liegen die alten Heiligtümer. Nara war in den Jahren 710 bis 784 Japans erste feste Hauptstadt. Vorher wechselte das Landeszentrum mit jedem Kaiser. Und so hat Nara heute fast so viele Tempel wie Kyoto oder Tokio. So konnten wir uns natürlich nur auf die bekanntesten beschränken – es war ja nur ein Tag Zeit.

Der Daibutsuden ist das größte rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt. Er beherbergt die große Buddhastatue, die schon 751 fertiggestellt wurde – im Original sind allerdings nur noch die Füße erhalten, der Rest wurde rekonstruiert. Das Kloster entstand kurze Zeit vorher, als in Japan die Pocken 1/3 der Bevölkerung auslöschten. Zum Schutz wurden im ganzen Land Klöster und Konvente mit RIesenbuddhas errichtet – wobei der Todai-ji der Haupttempel dieser Klöster war.

Durch den Hof schreitet man nun dieser Halle des großen Buddha entgegen und schon weht einem der Duft von Räucherstäbchen in die Nase. In einer großen Schale kann man eines zum Gebet anzünden. Durch drei große Holztore kommt man hinein und sieht die gewaltige, 15 m hohe Statue, die aus 450 Tonnen Kupfer gegossen wurde – rund 85000 Menschen arbeiteten an ihrer Fertigstellung – bei dem Gedanken stockt einem schon ein wenig der Atem.Mehrfach mißlang der Guss, nur in Teilen konnte man schließlich den Buddha erstellen und die Teile zusammensetzen. Friedlich sitzt er da, mit einer zum Segen erhobenen Hand.

Aber er hatte eine sehr wechselvolle Geschichte – zweimal brannte die Holzhalle um ihn herum vollständig ab, wobei er beim zweiten Mal sogar mehr als 200 Jahre kein Dach über dem Kopf hatte. Die heutige Halle stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts, ist 57m breit, 50m tief und 48m hoch.

Eine Runde kann man um die gigantische Statue drehen – einem kann man sich sicher sein – bei 450 Tonnen Gewicht ist die Diebstahlsicherung eingebaut und allzu schnell wird die riesige Figur niemand von der Stelle bewegen.

Der Kasuga-Schrein liegt etwas abseits in einem abgetrennten Gebiet des großen Nara-Wildparks. Man spürt aber deutlich, wenn man sich dem Schrein nähert – die Zahl der steinernen Laternen nimmt zu, die den Weg säumen. Angeblich sollen es 1800 Stück sein – gezählt habe ich nicht, ziemlich viele sind es auf jeden Fall – viele davon sind allerdings baufällig. Die meisten stehen direkt beim Eingang des Schreins, zum Teil zu dritt in einer Reihe. Angezündet werden sie nur zum Chugen-Mantoro-Matsuri, das jährlich am 14. und 15. August stattfindet.

Der Schrein ist einer der ältesten Japans. Er stammt (der Legende nach) aus dem Jahr 768. Wobei man das bei den Shinto-Schreinen so nur schwierig sagen kann. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden sie nämlich alle 20 Jahre vollständig abgerissen und neu gebaut – für mich eine sehr interessante Vorstellung, bedenkt man, wie lange in Europa an den meisten Kathedralen gebaut wurde. Er lag ursprünglich auch auf dem Berg Mikasa, wurde dann aber im Rahmen solcher Abrisszyklen an den Fuss des Berges versetzt – nur ein kleiner Nebenschrein blieb übrig.

Einmal über die Straße ist dann der Kufuku-ji, ein weiterer Buddhistischer Tempel, der schon 710 aufgebaut wurde, also mit Beginn von Nara als Hauptstadt. Von hier kommt man in die Fussgängerzone, wo allerhand große und kleine Restaurants findet.

Nun war schon fast der ganze Nachmittag vergangen und wir hatten die andere Seite von Nara noch gar nicht gesehen. Denn nicht nur im Nara Park sind alte Heiligtümer zu sehen, sondern auch auf der anderen Seite der Stadt. Hier kommt man dann wieder mit dem Bus hin – Tageskarte hatten wir ja schon. Übrigens darf man sich nicht wundern, wenn der Busfahrer immer redet – wir haben den richtigen Ort gefunden, auch ohne dass wir das verstanden haben. Gut zu Wissen ist auch – wenn man keinen Tagesfahrschein hat, zahlt man beim Ausgang.

Schließlich hatten wir nur noch Zeit für einen der beiden Sights auf der anderen Seite der Stadt. Der Toshodai-ji, den Kaiserpalast mussten wir leider aus Zeitgründen auslassen. Der Tempel ist Haupttempel der buddhistischen Ritsu Sekte. Er stammt aus der TempyÅ-Ära (729-740) und beeindruckt vor allem mit seinen weitläufigen Gärten.

Nara ist zwar (für japanische Verhältnisse) relativ klein, dafür gibt es unendlich viel zu sehen. Bei jedem Gebäude ist man erstaunt, dass die Geschichte mehr als 1300 Jahre zurückliegt. Die Holzgebäude mit den reichen Verzierungen, die einem selbst so fremde und exotische Atmosphäre der Buddhistischen und Shintoistischen Tempel, die vielen neuen Eindrücke.

Für Nara braucht man sicher mehr als nur einen Tag Zeit, bis man wirklich alles gesehen hat. Als wir wieder in Kyoto ankamen, fielen wir nur noch ins Bett. Aber immerhin ist das ein Grund noch einmal wiederzukommen. Nara sollte man bei einem Besuch in der Region Osaka/Kyoto nicht verpassen, ein echtes Highlight.

In diesem Sinne

Eure Anke


Infos

Der Zug zwischen Kyoto und Nara fährt ab dem Hauptbahnhof von Kyoto. Er braucht (je nach Service) zwischen 45 und 60 Minuten. Der Preis für das Ticket beträgt 690 Yen pro Strecke. Der Japan-Rail-Pass beinhaltet die Strecke auch.

Das Tagesticket gibt es am Infostand am Bahnhof von Nara – dort bekommt man auch Infos und Prospekte zu allem, was man in Nara wissen muss. Es kostet für Erwachsene 600 Yen. Allerdings muss man beachten, dass die Busse nach 18 Uhr nicht mehr alle 15 Minuten, sondern nur noch etwa alle 40 – 50 Minuten. Wir hingen beim Toshodai-ji dann doch etwas länger fest als gedacht.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Todai-ji

Daibutsuden-Halle: 08:00 bis 16:30 (November bis Februar) / 08:00 bis 17:00 (März) / 07:30 bis 17:30 (April bis September) / 07:30 bis 17:00 (Oktober)
Todaiji-Museum: 09:30 bis Schließung der Daibutsuden-Halle (Einlass bis 30 Minuten vor Schließung)

Daibutsuden-Halle: 500 Yen
Todaiji-Museum: 500 Yen (nur Museum), 800 Yen (Museum und Daibutsuden-Halle)

Kasuga Taisha

täglich 9:00 bis 16:30 Uhr

Eintritt: 500 Yen

Kufuku-ji

täglich 9:00 bis 17:00 Uhr (das Freigelände ist offen zugänglich)

Eintritt in die goldene Halle: 600 Yen

Toshodai-ji

täglich 8:30 bis 17:00

Eintritt: 600 Yen

 

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