Wie im Heimatfilm

Hallo Leute!

Die meisten Menschen, die an Österreich denken, denken an Wien oder Salzburg. Und diejenigen, die von weiter her kommen, denken meistens an den kleinen Ort, in einer abgelegenen Bucht am Hallstätter See gelegen. Jahrhunderte war er kaum auf dem Landwege zu erreichen. Heute kommen täglich tausende Touristen. Und so habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, einen kleinen Abstecher in das abgelegene Dörfchen zu machen, das wohl mehr Chinesen kennen als Graz.

Heute ist Hallstatt gut zu erreichen und bildet das historische Zentrum des Salzkammerguts. Man fährt in den Ort über Bad Geisern am Hallstätter See entlang einer Uferstraße, durch zwei große Tunnel wird das historische Zentrum umfahren. Dort findet man dann ein ausgeklügeltes Parkleitsystem vor – Hallstatt selbst erreicht man dann nach einem kleinen Fußmarsch.

In Hallstatt hat der Salzabbau lange Tradition. Im Hochtal über Hallstatt bestand schon vor rund 7000 Jahren. Das belegen Funde aus einem riesigen Gräberfeld, das rund um den Rudolfsturm und dem Salzstollen bestand. Entdeckt wurde es von Johann Georg Ramsauer, dem auch eine Ausstellung im Rudolfsturm gewidmet ist. Die Hochzeit der Hallstattkultur mit regem Handel (unter anderem belegt durch Elfenbeinfunde) datierte er etwa auf 800 bis 400 v. Chr. Man fand hier unter anderem Eisenschmieden und Hinweise darauf, dass exzessiv Fleisch mit Salz haltbar gemacht wurde. Außerdem fand man die älteste Holzstiege der Welt, die vor allem durch ihre Flexibilität beeindruckte.

Aussichtsplattform Welterbeblick unterhalb des Rudolfsturms

Zerstört wurde der Bergbau in Hallstatt vorläufig nach einem schweren Grubenunglück. Erst im Mittelalter entdeckte man das Salz wieder für sich. Hallstatt gehörte dann den Habsburgern, die den Preis des Salzes erkannten und in stetiger Konkurrenz mit dem benachbarten Salzburg lagen, weshalb Hallstatt mit dem Rudolfsturm auch eine gestärkte Stadtbefestigung bekam. Außerdem begann man mit dem feuchten Abbau des Salzes, weshalb eine Leitung für die Sole bis nach Ebensee gelegt werden musste.

Erst im 19. Jahrhundert mit dem einsetzenden Tourismus bekam Hallstatt eine Straße, die zum Teil in den Fels gesprengt werden musste. Kaiser Franz Josef und seine Verlobte Sisi kamen etwa 1853 noch mit dem Schiff über den See nach Hallstatt.

Doppelaltar in der katholischen Pfarrkirche

Unser Tag in Hallstatt

Wir kamen gegen 10 Uhr an – P2 war schon belegt, auf P1 bei der Tankstelle bekam man aber noch gut einen Parkplatz. So gingen wir das Stück bis zur Talstation, denn wir hatten beschlossen, erst nach oben zu fahren, bevor der ganz große Run losging. Wir entschieden uns aber gegen einen Besuch der Saline, da wir kurz davor schon in Altaussee das dortige Bergwerg besuchten und wir den schönen Tag nicht unter der Erde verbringen wollten. Zu zweit zahlten wir (mit der Salzkammergut-Erlebniscard, die man ab 3 Übernachtungen vom Hotel bekommt) rund 26€ für die Berg- und Talfahrt.

Außerdem gab es auch so oben am Berg einiges zu sehen. Gleich bei der Bergstation gibt es eine Panorama-Brücke, die herüber bis zum Rudolfsturm führt. Im alten Wehrturm ist heute ein Restaurant und am Dachboden ist ein kleines Museum, das Johann Georg Ramsauer gewidmet ist, dem Wegbereiter der Archäologie in Hallstatt, der viele der Gräber selbst dokumentiert hat.

Das Beinhaus von Hallstatt

Am Fuße des Rudolfsturms ist eine tolle Aussichtsplattform, die sich im Dreieck bis vor über den Abgrund erstreckt. Von hier hat man einen Blick zum historischen Zentrum.

Auf dem kleinen Rundweg hinauf zum Bergwerk sieht man dann unter anderem ein Schaugrab, einen Gedenkbrunnen derer, die auf dem Gräberfeld begraben wurden. Oben bei der Saline sieht man dann noch eine alte Salzpfanne sowie eine Hütte zum Pökeln des Fleischs, das direkt hier beim Salz gemacht wurde. Dazu gibt es gute Infostelen.

Auf dem Weg ins Zentrum fühlt man sich ein wenig bedrängt – Hallstatt ist eben heute nicht mehr so abgelegen wie noch vor 150 Jahren. Und bei weitem mehr als die Hälfte der Menschen, die aus den Bussen steigen, sind asiatischer Herkunft. Das trägt dann gewisse Auswüchse mit sich, etwa das große Werbeschild von „Rent a Dirndl“, bei dem eine asiatische Dame dafür wirbt, dass man sich doch ein Dirndl leihen soll, damit die Urlaubsfotos cooler aussehen. Nun, meine Sache ist das nicht, ich bin kein Fan von Massentourismus.

Evangelische und katholische Pfarrkirche

Am Ende der Uferpromenade, die gesäumt ist mit tollen, kunstvollen Holzhäusern, trifft man auf das Museum Hallstatt. Und das ist eine wahre Oase, denn obwohl es groß beworben wird, ist es quasi leer. Das auch mit Grund, denn wirklich mehr als im Reiseführer steht, habe ich hier nicht gefunden – auch extrem anschaulich war es nicht, wir waren beide wenig begeistert.

Weiter vorne trifft man dann auf die evangelische Kirche, die Hallstatt ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Der Protestantismus war im Salzkammergut weit verbreitet, wurde aber erst 1796 anerkannt. Die Kirche wurde daher erst 1863 errichtet, im Gegensatz zur katholischen Kirche, die schon seit 1503 besteht. Innen ist die Kirche sehr hell, im Vergleich zur katholischen Kirche aber wenig spektakulär.

Die Salzproduzenten residierten am Marktplatz, an dem noch heute geschäftiges Treiben herrscht. Von hier aus kann man sehen, wie sehr sich die Stadt an die steile Felswand schmiegt – die bunten Häuser zeugen von Reichtum.

Ein weiteres Highlight ist die katholische Kirche mit ihrem berühmten Karner. Das Beinhaus (Eintritt 1,50€, man sollte aber einen ruhigen Moment abpassen, allzu groß ist der Raum nicht) enthält die Knochen und Schädel von etwa 1500 Menschen, die exhumiert werden mussten, weil auf dem Friedhof, der direkt rundherum liegt, einfach kein Platz mehr war. Besonders bekannt ist der Karner für seine kunstvoll bemalten Schädel, die Namen und Sterbedaten sowie Hinweise auf den Charakter des Menschen enthalten.

Die Kirche ist für seine beiden spätbarocken Altäre bekannt, wobei der eine nach einem spektakulären Kunstdiebstahl zum Teil nur noch als Rekonstruktion vorhanden ist.

Fazit

Der Marktplatz von Hallstatt

Hallstatt ist toll und man sollte es sicher nicht verpassen, wenn man im Salzkammergut unterwegs ist. Aber dass Hallstatt toll ist, weiß eben auch halb China – nicht umsonst hat man sich die alte Salzfertigerstadt 1:1 nachbauen lassen. Meine Highlights von „Rent a Dirndl“ bis hin zu dem Moment, als ich auf einem Holzsteg von 3 chinesischen Damen attakiert wurde, die keine Minute warten konnten, bis ich fertig war, hatten eben wenig mit Hallstatt zu tun.

Unbedingt sollte man hochfahren oder laufen, der Blick vom Rudolfsturm hinunter auf die Stadt am Fuße der Felswand und über den Hallstätter See ist einfach atemberaubend. Auch den Karner sollte man nicht verpassen – der ist ganz schön spooky. Ansonsten sollte man sich auch mal durch die Gassen fernab des Hauptstroms bewegen, wundervolle Blicke auf die Stadt an der Felswand werden einem offenbar – und es ist einfach weniger los.

Wir haben den ganzen Tag in Hallstatt verbracht und waren wirklich begeistert – malerisch, hübsch, aber eben auch mit kleinen Macken. Leider hatte das Tauchmuseum (ein Privatmuseum im Keller einer Pension gegenüber dem Hallstattmuseum) zu, das hätte ich mir wirklich gerne angeschaut, denn hier geht es um den Zivilisationsmüll aus allen Jahrhunderten, den Taucher aus den Seen des Salzkammergutes zu Tage gefördert haben – von Nazifalschgeld bis hin zu Bierkrügen aus dem Mittelalter.

Wir hatten einen tollen, aber auch anstrengenden Tag in Hallstatt. Von mir gibt es 4 Sterne, mir war es A zu voll und B hat mir das große Museum im Stadtkern nicht so zugesagt.

In diesem Sinne

Eure Anke


Infos

Es gibt zwei Große Parkplätze im Ortsteil Lahn. P2 liegt direkt bei der Talstation der Standseilbahn, P1 liegt etwa 500m davon entfernt. Die Parktarife sind für den Andrang fast schon human, pro 12 Stunden zahlt man 8€ (für kürzere Parkzeiten > 3h wird es sogar günstiger. P3 ist normalerweise Bussen und Camping vorbehalten. Daher lohnt es sich, früh zu kommen – wir kamen gegen 10 Uhr und es standen noch 66 Plätze zur Verfügung, als wir vom Salzbergwerk kamen (13 Uhr) bildeten sich bereits lange Schlangen an den Schranken.

Zwei Buchtipps:

Salzkammergut Reise- und Wanderführer von Martin Krake

111 Orte, die man im Salzkammergut gesehen haben muss von Stefan Spath, Gerald Polzer und Pia Odorizzi

 

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