Windhoek – Beginn und Ende einer großen Reise

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Christuskirche mit „Kaffeemaschine“

Hallo Leute!

Ein Roadtrip mit der Schwiegermutter und dem Gatten durch das südliche Afrika – mehr als 4000 km in 3 Wochen. Na das kann ja was werden – nämlich ein ganz großes Abenteuer. Und das begann in Namibias Hauptstadt Windhoek.

Und so bestiegen wir gemeinsam in Frankfurt eine Maschine der Condor, die uns auf direktem Wege nach Windhoek bringen sollte. Direktflüge gibt es aus Europa übrigens tatsächlich nur aus Frankfurt und betrieben wird die Strecke von Air Namibia (6x pro Woche) und Condor (2x pro Woche). Der Flughafen ist mit etwa 12 Flugabfertigungen pro Tag (hauptsächlich Südafrika und Inland) sehr klein und beschaulich. Allerdings ist die Strecke bis ins Stadtzentrum auch sehr weit – es liegen noch rund 50 km bis in die City. Wir hatten vorher einen Transfer gebucht, ohne Taxi ist man aufgeschmissen, denn eine öffentliche Anbindung gibt es nicht.

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Windhoek von oben

Nach einer langen Nacht kamen wir also morgens um 7 Uhr in Windhoek an und stellten zuerst fest, dass sämtliche Geldautomaten am Flughafen leer waren – na das fängt ja super an. Gut, dass wir den Transfer in die 50 km entfernte Stadt schon im Voraus gebucht hatten, sonst wäre das Taxifahren ein echtes Problem geworden.

Windhoek ist als Hauptstadt mit rund 300000 Einwohnern eher beschaulich, sie zieht sich allerdings auf eine relativ große Fläche. So galt es zuerst einmal, einen Geldautomaten (einen vollen natürlich) zu finden, um das Taxi zahlen zu können und dann ab in die Innenstadt.

Das Zentrum rund um das Parlament und die Christuskirche ist dann für eine Hauptstadt auch eher klein und kompakt. Nach einem kurzen Frühstück besichtigten wir zuerst die kleine Christuskirche, die noch aus deutschen Kolonialzeiten stammt. Sie wurde 1910 (also nur 5 Jahre vor Ende der Kolonialzeit) geweiht und diente von da an als Stammsitz der evangelisch-lutherischen Gemeinde von Windhoek. Im Inneren erinnert eine riesige Gedenktafel an die Gefallenen der Kolonialkriege mit den Herero, den Nama und den Ovambo – natürlich sind nur die Toten auf Deutscher Seite erwähnt, der begangene Völkermord wird nicht erwähnt. Aber es ist schon spannend, weil man so eine Kirche tatsächlich eher irgendwo in Westfahlen erwartet und weniger in einer Afrikanischen Hauptstadt.

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Das Unabhängigkeitsmuseum

Von der Christuskirche führte uns der Weg gleich weiter zu einem weiteren außergewöhnlichen Gebäude, das rein architektonisch eher an eine Kaffeemaschine erinnert. Direkt hinter der Christuskirche liegt nämlich das Unabhängigkeitsmuseum, das interessanterweise von Nordkoreanischen Architekten errichtet wurde, so etwas bekommt man ja eher selten zu sehen, es erscheint einem aber logisch, wenn man bedenkt, dass die Nordkoreaner den Unabhängigkeitskampf gegen die Südafrikaner vor allem finanziell unterstützte – so konnte Namibia Schulden gutmachen (ähnliches gilt übrigens für den Heldenacker südlich von Windhoek, dazu aber später etwas mehr). Das Museum kann bei freiem Eintritt besucht werden und zeigt die Geschichte der namibischen Völker seit den Deutschen Kolonialzeiten bis hin zur Unabhängigkeit 1990. Das Museum ist interessant, allerdings sollte man sich vorher die Grundzüge der Geschichte Namibias vergegenwärtigen, denn große Erklärtafeln gibt es leider nicht. Grandios ist die Aussicht. In gläsernen Aufzügen fährt man durch die 3 Etagen der Ausstellung und in der 4. Etage ist ein Restaurant mit Terrassen, von denen aus man ganz Windhoek überblicken kann.

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Das ehemalige Nationaldenkmal des Südwester Reiters

Sehr runtergekommen ist das ehemalige Nationalmuseum in der Alten Feste, die wie die Christuskirche noch aus Kolonialzeiten übriggeblieben ist. Vor dem alten Fort stand früher eine Reiterstatue, auch Südwester Reiter genannt, die früher ein Nationaldenkmal war. Erinnerte sie jedoch an den von Deutschen begangene Völkermorde, daher wurde ihr dieser Status aberkannt und der Reiter wurde in den Hof versetzt, wo er von Eisenstangen geschützt vor sich hin rostet. Das Museum soll für 50 Millionen Namibiadollar saniert werden, die finanziellen Mittel dazu fehlen aber. Daher kann man heute nur den Innenhof betreten, die Gebäude an sich stehen aber leer.

Danach statteten wir noch dem Tintenpalast (das ist der Spitzname des Parlaments) einen kleinen Besuch ab, da aber keine Führungen angeboten wurden, gingen wir gleich ein Stück weiter und schauten uns noch den alten, kolonialen Bahnhof an, vor dem eine kleine Schmalspurlok steht – auch nicht so spektakulär…

Den Abend verbrachten wir dann im legendären „Joes Beer House“, das sein ganz eigenes Flair hat. Hier gibt es unter freiem Himmel vor allem Fleisch und Bier – und ein paar Details, die an Kolonialzeiten erinnern, etwa alte Straßenschilder und Jägermeisterflaschen, die die Zäune dekorieren. Es ist immer ziemlich voll, daher ist eine Reservierung nie doof.

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Gräbstätten am „Heldenacker“

Am Morgen bekamen wir dann unseren Mietwagen. Wir nahmen uns dann gleich noch den Heldenacker vor, der etwa 8 km südlich von Windhoek an der B1 Richtung Rehoboth liegt. Auch hier hatten wieder die Nordkoreaner ihre Finger im Spiel. Geplant war ein Friedhof für die Helden des Unabhängigkeitskampfes. 60 Millionen Namibiadollar hat das Gelände gekostet. Man wird auf der „Plattform der Begrüßung“ vor einer 5000 Besucher fassenden Tribüne empfangen. Dort findet sich auch eine ewige Flamme. Und von dort kann man hinaufsteigen zu einer Statue eines unbekannten Soldaten, dessen Sockel einen Ausspruch von Sam Nujoma trägt. Dazu kann man Treppen nehmen oder die Rollstuhlgeeigneten Rampen vorbei an den bisher 174 Gräbern (Platz ist aber noch für mindestens 3 weitere Unabhängigkeitskriege). Von der Statue aus kann man dann noch weiter hinaufsteigen zu einem Aussichtspavillon. Irgendwie wirkt das ganze Gelände übertrieben monumental – aber irgendwie kann man sich dann doch ganz gut vorstellen, wie es in Nordkorea aussehen muss.

Windhoek ist schon irgendwie spannend, man findet Spuren von allem – aus Deutschen Kolonialzeiten, wie von Nordkoreanern. Besonders die Nordkoreanische Architektur wirkt irgendwie irritierend, weil die monumentalen Gebäude nicht so recht ins Stadtbild passen wollen.

Was ein bisschen fehlt ist das afrikanische Flair, es wirkt irgendwie mehr wie jede andere mittelgroße Stadt in Deutschland, selbst der Bahnhof wirkt ein bisschen wie vom gleichen Architekten gebaut wie der in meiner hessischen Heimat. Aber vielleicht macht gerade das den Flair der Namibischen Hauptstadt aus. Einen ganzen Städtetrip kann man hier wohl nicht verbringen, wir wussten schon am Tag vor unserer Rückreise nicht so recht was mit uns anzufangen. Windhoek ist sicherlich obligatorische Station für einen Namibia-Roadtrip – zu viel Zeit muss man allerdings nicht einplanen.

In diesem Sinne

Eure Anke

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