10 Dinge, an die man sich in Japan gewöhnen muss

Hallo Leute!

Wie in jedem Land gibt es in Japan einiges, was neu und ungewohnt ist. Hier habe ich euch mal die Sachen zusammengefasst, an die man sich als Europäer erstmal gewöhnen muss.

1. Die Ordnung

Als Deutsch-Wienerin bekomme ich ja immer wieder erzählt „Ihr Deutschen, ihr seid so pünktlich, organisiert und so ordentlich“. Das kann nur von jemandem kommen, der noch nie in Japan war. Denn schon das Bahnfahren macht einem klar, wie unorganisiert wir Deutschen im Vergleich zu den Japanern sind. Schon am Bahnsteig stehen die Japaner ordentlich in der Schlange. Genau ist aufgezeichnet, wo der Zug halten wird. Kommt der (übrigens ausnahmslos exakt pünktliche) Zug, wird ganz ordentlich erstmal den Leuten Platz gemacht und alle steigen ganz ohne Drängeln ein. Allerdings wird auch kein alter Mensch auf Krücken vorgelassen, wer sitzt, der sitzt.

Die Städte sind trotz extrem weniger öffentlicher Mülleimer akkurat aufgeräumt, in Nara etwa hat jeder Wirt jemanden beschäftigt, der damit beauftragt ist, den Unrat der Sika-Hirsche wegzufegen – den ganzen Tag lang.

2. Die Verbeugung

Hat man das schon einmal erlebt – man fährt mit dem Bus an einigen Flughafenmitarbeitern vorbei und alle verbeugen sich. Hmmm, da fühlt man sich doch gleich wie der Tenno… Auch der Schaffner im Shinkansen geht rückwärts aus dem Abteil und verbeugt sich vor den Passagieren – da sollte sich die ÖBB mal eine Scheibe von Abschneiden.

Aber die Verbeugung gehört zur Begrüßung einfach dazu – dafür schüttelt man sich nicht die Hand. Allerdings erfolgt die Verbeugung nach einem komplizierten Schema, spiegelt auch in etwa die Hierarchie wieder und ist daher ganz schön schwierig. Als Tourist habe ich mehr oder minder versucht, mich darum zu drücken, denn in Hotels und Museen weiß man wohl, dass ich ein Touri bin. Anders ist das vielleicht bei Geschäftsbeziehungen – man sollte sich vielleicht schlau machen. Allerdings ist das Ganze komplex und Fehler sind wohl vorprogrammiert.

3. Manieren

Die Japaner sind durchweg sehr höflich. Da kann man sich revanchieren. Ein paar kleine und einfache Regeln der Höflichkeit gibt es.

  • Dinge, die einem gereicht werden (auch Geldscheine) nimmt man immer mit beiden Händen entgegen. Das ist gerade beim Einkaufen manchmal schwierig, ich habe es sicherlich auch einige Male vergessen. Denn man bekommt die Einkäufe eingepackt und muss das Ganze dann nur kurz stehenlassen. Damit erweist man einen gewissen Respekt
  • Die Japaner sind insgesamt eher leise, das sollte man auch sein.

4. Die Klos

Dass die japanischen Klos etwas anders sind, hat schon Bart Simpson gelernt. Und so war natürlich auch mein erster Weg nach der Landung in Tokio das Klo. Und  ich muss sagen, dass das wirklich ein Spaß ist.

Es gibt zwei Formen – in touristischen Sehenswürdigkeiten sind sie oft als „Western Style“ und „Eastern Style“ ausgeschildert.

Die Eastern Style Toiletten entsprechen denen, wie man sie in etwa aus Frankreich von diversen Raststätten kennt – also ein Loch im Boden.

Die Western Style Toiletten kommen durchaus häufiger vor. Und das erste, was einem häufig auffällt, ist die Beschilderung. Denn oft wird darauf hingewiesen, dass man sich nicht auf die Brille stellen soll. Denn was für uns logisch klingt, war für die Japaner nach Einführung der High Pech Klos gar nicht so selbstverständlich. Das zweite, das auffällt, ist das Bedienungsportal – angeblich soll es Toiletten mit bis zu 1000 Funktionen geben. Die wichtigste Funktion ist der Sound – denn besonders Frauen finden es hier unangenehm, wenn die Nachbarn das Plätschern wahrnehmen. Auf manchen Damentoiletten geht das so weit, dass man sich schon beim Betreten fühlt, als wäre man mitten in einem größeren Wasserfall. Die meisten Toiletten haben aber zusätzlich einen eigenen Sound, meist lautes Vogelgezwitscher oder eben ein Wasserrauschen. Dazu kommt ein Wasserstrahl, der für nach dem Geschäft ist, der in Stärke und Position variiert werden kann. Und man muss dringend daran denken, den Strahl auszustellen, bevor man aufsteht…

Zudem werden sogar in den billigsten Bahnhofstoiletten die Sitze vorgewärmt.

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Erstmal die Bedienungsanleitung studieren – nix für eine volle Blase

5. Redende Busfahrer

Japanische Busfahrer tragen ein Headset und reden während der Fahrt ohne Punkt und Komma – selbst wenn offensichtlich niemand im Bus ist, der ihn versteht. Was sie erzählen, haben wir nicht rausgefunden – aber die wichtigen Stationen (Krankenhäuser, Bahnhöfe, Sehenswürdigkeiten) werden vom Band auch auf Englisch angesagt.

Wichtig ist übrigens bei den Bussen in Kyoto – man zieht sich zu Beginn ein Ticket, gezahlt wird hinterher. Daher steigt man auch hinten ein und vorne aus. Daher sollte man das Geld möglichst passend haben. Wir haben uns immer zu Beginn des Tages ein Sightseeingticket in einer der U-Bahn-Stationen gekauft, damit hatten wir das vermieden. In den U-Bahnen kauft man zwar vorher das Ticket, muss es aber bis zum Ende der Fahrt behalten, da man beim Aussteigen die Schranken erneut passieren muss.

6. Sound of Japan

Sehr gewöhnungsbedürftig war für mich der stete Sound. Japaner essen nämlich grundsätzlich mit einem lauten Schlürfen ihre Nudeln. Und das kann schon ganz schön anstrengend sein, wenn man europäisch sozialisiert ist. Ich habe sicher die ganzen 10 Tage gebraucht, um mich langsam an den ungewöhnlichen Sound am Nachbartisch in der Garküche zu gewöhnen. Am Ende habe ich es dann sogar selbst gemacht.

Fast noch schlimmer empfand ich, dass die Japaner sich die Nase nicht putzen. Bei schweren Erkältungen tragen sie einen Mundschutz (das ist man ja aus Wien gewöhnt), aber bei leichterem Schnupfen versuchen sie, den Naseninhalt hochzuziehen. Ich hatte auf der Fahrt von Nara nach Kyoto einen vielleicht 20jährigen neben mir sitzen, der permanent hochzog – das ist aber eben für Japaner völlig normal.

7. Essen

Auch das Essen erfolgt nach einem gewissen Ritual. Als erstes bekommt man ein feuchtes Tuch – in besseren Restaurants kommt der Kellner sogar mit Handtüchern. Dazu bekommt man dann auch die Karte. Die war eigentlich in allen Restaurants zweisprachig oder wir bekamen (weil wir offensichtlich keine Japaner sind) die englische Karte. Dazu bekommt man meist entweder ein Glas Wasser oder einen Tee – gelegentlich sogar eine ganze Kanne. Dann zieht sich der Kellner zurück. In den meisten Restaurants gibt es dann eine kleine Klingel, die man betätigen muss, wenn man dann gewählt hat. Positiv bei den meisten Restaurants ist übrigens, dass die Speisekarten mit Bildern ausgestattet sind. Häufig findet man sogar die Speisen aus Kunststoff nachgebildet im Fenster – selbst wenn man kein Englisch spricht, ist bestellen also selten ein Problem.

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Gar nicht so einfach – ein Frühstück in Japan

Die Speisen, die man bekommt, soll man häufig in einer exakten Reihenfolge essen, die man selten kennt. In einigen Restaurants (vor allem in Touristengebieten) bekommt man dann aber auch eine Broschüre, in der genau drinsteht, was man etwa mit dem halbrohen Spiegelei machen soll.

Zum Essen bekommt man normalerweise Stäbchen und ich muss sagen, auch ohne dass ich vorher geübt habe, bin ich in den 10 Tagen nicht verhungert. Es geht doch sehr schnell, dass man zumindest so tun kann, als könnte man mit Stäbchen essen.

Mit dem Essen bekommt man eine Rechnung, die man dann am Ausgang bei der Kasse zahlt. Das ist sogar in kleinen Garküchen so, auch wenn der Kellner da oft mit dem Kassenwart identisch ist. Trinkgeld ist übrigens unüblich.

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Speisekarte beim Italiener (aus Kunststoff)

8. Maschinen statt Kellner

Das positivste an Kyoto: Man muss sich keinen Getränkevorrat anlegen, den man den ganzen Tag im Rucksack rumschleppen muss. Denn an jeder zweiten Ecke gibt es große Getränkemaschinen, die neben dem obligatorischen Wasser (etwa 100 Yen) auch Cola und diverse japanische Getränke (häufig Eistee) anbieten. Oft stehen hier 4 oder mehr nebeneinander, auch bei Tempeln oder Schreinen. So ist etwa der Weg hinauf zum Fushimiberg an jeder Station mit einem Getränkeautomaten ausgestattet.

Zudem gibt es aber auch Restaurants, in denen man das Bestellen und Bezahlen gleich komplett an einem Automaten erledigt. Die Geräte sind meist zweisprachig (Japanisch und Englisch). Vom Automaten bekommt man dann ein Ticket und sucht sich ein Platz im Restaurant. Der Automat gibt zwar keine Tagesempfehlung ab, entlastet aber den Kellner. Das Ticket gibt man beim Kellner ab und bekommt dafür seine Speise. Die Lokale sind qualitativ ganz gut (besser als Schnellrestaurants hier) und meistens ziemlich günstig – Hauptspeise + Bier kosten etwa 600 Yen (ca. 6€). Trotzdem sollte man vor dem Bestellen schauen, ob es noch einen Platz im Restaurant gibt, sonst muss man nämlich aufs Essen warten.

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Endlich muss der Kellner nicht mehr die Speisekarte erklären

9. Museen

Museen sind in Japan irgendwie anders. In einem Mangamuseum habe ich zum Beispiel mehr Bilder im Rahmen erwartet als Bücher im Regal. Und im Citymuseum of Kyoto habe ich mehr Stadtgeschichte erwartet als einen kroatischen Kinofilm (ich war 2 1/2 Stunden zwischen schlafenden Japanern eingeklemmt und bin irgendwann selbst eingeschlafen). Die Museumskultur ist in Japan eben nicht so ausgebaut wie bei uns. Daher sind nur wenige Museen wirkliche Highlights – für mich zum Beispiel das kleine Kaleidoskope Museum in Kyoto. Ansonsten sollte man sich eher auf die Action (Aquarium, Riesenrad) oder auf die religiöse Kultur (Schreine und Tempel) stürzen.

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Bibliothek oder Museum? – Kyoto International Manga Museum

10. Geld abheben

Geld abheben geht in Japan mit einer ausländischen Karte nicht überall. Also sollte man nicht gleich in Panik geraten, wenn der Automat kein Geld ausspuckt – häufig ist es eben nur ein regionaler Geldautomat. Erfahrungsgemäß sind die Automaten in den Supermärkten (7eleven) gut, da kann man allerdings mit einer Visakarte nur Beträge ab 10000 Yen (etwa 100€) abheben. Kleinere Beträge sind mit einer Visitkarte eher schwierig, wir haben dafür auch noch keine Lösung gefunden.

Japan ist ein tolles Land, aber wenn man das erste mal kommt, braucht man sicherlich ein paar Tage, um sich an das eine oder andere zu gewöhnen. Aber das macht ja gerade den Reiz einer Reise aus – und jetzt, nachdem wir ein paar Erfahrungen gesammelt haben, werden wir bestimmt wiederkommen…

In diesem Sinne

Eure Anke

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Peggy sagt:

    Hallo Anke,

    klasse Artikel. Das klingt ja sehr abenteuerlich. Wir fliegen dieses Jahr nach Südkorea und ich bin schon sehr gespannt. Ich denke es ist ähnlich wie in Japan. Habe aber schon gehört, dass es in Südkorea mit dem Verbeugen nicht ganz so streng genommen wird wie in Japan. 🙂 Japan steht auch auf meiner Reisewunschliste.

    Liebe Grüße
    Peggy

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    1. In Japan ist es so – wenn du nicht weißt, wie es geht mit dem Verbeugen, solltest du es lieber lassen – aber die merken ja, dass du Europäer bist, dann finden die das amüsant. Südkorea – cool, da wäre ich sofort dabei…!

      Gefällt mir

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